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Hochbunker bei Königs Wusterhausen

 

Steigeisen zum Dach

Die Netzersatzanlage

 

Typ : Führungsstelle
Bunkertypen : monolithischer Hochbunker
Etagen : 3
Zustand : schlecht

 

Bei Königs Wusterhausen direkt auf der ehemaligen Trasse des Fernkabelringes befindet sich ein Hochbunker aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Nach unseren Informationen durch den in der Bunkerszene bekannten Fachhistoriker und Autor Hermann R. handelte es sich bei dem Bauwerk um das Schutzbauwerk für den Reichspostminister und seinem Stab.

Hermann dazu: " Für den Reichspostminister wurde ein Hochbunker errichtet, weil die Bodenwasserverhältnisse einen Tiefbunker ohne grossen Aufwand nicht zuließen. In der Nähe der Schütte Lanz Produktionsstätten war der Bunker eigentlich fehlplaziert, es gab aber keine Möglichkeit, den Bunker ohne grossen Aufwand weiter entfernt zu bauen, wenn man auf den strategischen Vorteil, der Lage am Fernkabelring, nicht verzichten wollte. Es sei gesagt, dass die sowjetischen Streitkräfte nach 1945 vermutlich die Anbindungen zum Fernkabelring, die in den Bunker führten, ausgeschleift haben. Hier hat man bei der nach dem Krieg erfolgten Nachnutzung als Führungsstelle der Kreiseinsatzleitung (KEL) später die Medienzuführung und Fortführung in die alten Kanäle verlegt. Der KEL Bunker war mit 50 DA Kabel gut ausgestattet.

Die restlichen Anbindungen liefen später über den Kellerbereich in der PROGRESS Fahrzeugfabrik (früher Schütte Lanz) in dem die sowj. Streitkräfte den für Ostdeutschland typischen Bus PROGRESS herstellten, aber auch Fahrzeuge einer Generalinstandsetzung zuführten. Der Bunker wurde zur Nutzung an den Kreis KW übergeben (Warum die sowj. Streitkräfte den nicht weiter selbst nutzten, ist nicht klar).
Den Bereich des früheren Reichspostschulungsheimes Zeesen nutzten die LSK der 16. LA als Lazarett, während dessen der ursprüngliche Bereich der Schütte Lanz Verwaltung später durch die PROGRESS Fahrzeugwerke (einer von drei Betrieben in der DDR) genutzt wurde.
Der Bereich, wo sich der Olympiasender befand, wurde später durch das MfS zu einer Funkstelle für Auslandkundschafter ausgebaut und die guten Sendebedingungen der Region (Magnetismus, Bodenfeuchte etc.) genutzt."

Zur Nachnutzung zu DDR Zeiten ist zu sagen, dass die Kreiseinsatzleitung (KEL) der ehemaligen Kreisstadt Königs Wusterhausen den Bunker als Ausweichführungsstelle nutzte und somit ein wesentlich geräumigeres Schutzbauwerk als die KEL anderer Kreisstädte besaß. Es ist davon auszugehen, dass der Bunker von den Nachnutzern nachträglich umfangreiche Umbaumaßnahmen erfahren hat. Ziegelwände im Inneren und verschlossene Zugänge ausserhalb lassen darauf schließen.

Wie bereits erwähnt, ist das Bauwerk recht geräumig, neben einer Vielzahl von Arbeitsräumen findet man auf jeder Etage Sanitärräume. Der Grundriss des Bauwerks ist rechteckig mit an beiden Enden zur Raumoptimierung angesetzten Zugangsbauwerken. In einem befindet sich das Aggregat zur Notstromversorgung, ein 4 Zylinder Dieselmotor mit 6l Hubraum und einer Generatorleistung von 36 KVA, das andere Zugangsbauwerk erfüllte in der Zeit der Nachnutzung die alte Funktion, eine kleine Schleuse wurde nachträglich eingebaut. Reste der Nachrichtentechnik, der LTA und der Wasserversorgung sind ebenfalls zu finden. Ausserhalb sichtbar sind ausserdem noch mehrere Schächte zur Medienversorgung, zwei davon dienten zur Zeit der Nutzung als Schutzbauwerk für den Reichspostminister als Durchführung des Fernkabelringes.

Das Bauwerk präsentiert sich leider heute in einem nur noch als erbärmlich zu bezeichnenden Zustand, die meisten Räume sind durch Brandstiftung rußgeschwärzt, sämtliche noch zu findenden Einrichtungsgegenstände und technischen Anlagen sind sinnlos zerstört worden.

 

Quelle:

 

- P.H. Rentsch

 

Bildergalerie:

 

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