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Die Anlage Maybach I, Führungsstelle des Oberkommando des Heeres bei Zossen

 

Das am besten erhaltene Bunkerhaus A2

Ruine des Haus A5

 

Typ : Führungsstelle
Bunkertypen : Monolith
Etagen : 5
Zustand : -
Zugang : Besichtigungsmöglichkeiten über Bücherstadt - Wünsdorf

 

1936 fasste das OKH den Beschluss, sein Hauptquartier für die Generalmobilmachung im Stammlager Zossen zu erweitern. Es wurde das Unternehmen Beton- und Monierbau AG Berlin damit beauftragt, eine "Bunkersiedlung", bestehend aus 12 Bunkerhäusern mit Tarnnahmen "Maybach", zu bauen. Die ersten Arbeiten begannen im Jahre 1937. In 12 Stunden-Schichten rund um die Uhr und mit bis zu 2000 Arbeitern gleichzeitig, errichtete man bis Mai 1939 die Rohbauten der Anlage. Im Dezember 1939 waren die 12 Bunkerhäuser A1-A12 fertig gestellt und bezogen. Bei den Häusern handelte es sich nebenbei bemerkt, um ein Typenprojekt, gleiche Bunkerhäuser wurden in der Anlage "Hansa" bei Gießen und in der Anlage "Maybach II", der Führungsstelle des Oberkommando der Wehrmacht, errichtet. Die Belegung der Häuser der Anlage Maybach I von 1939 - 1941 war wie folgend:

A1 : General der Luftwaffe beim OKH
A2 : Abteilung fremde Heere West
A3 : Abteilung fremde Heere Ost
A4 : Chefgruppe Generalquartiermeister
A5 : Oberbefehlshaber des Heeres
A6 : Chef Generalstab des Heeres
A7 : Operationsabteilung
A8 : Operationsabteilung
A9 : Stab Chef Heerestransportwesen
A10: Organisations- und Ausbildungsabteilung
A11: Stab Chef Nachrichtenwesen
A12: Stab Chef Nachrichtenwesen

Zugang zum Südstollen

Reste im 2.UG eines der Bunkerhäuser

 

Zum Aufbau: Errichtet wurden, wie bereits erwähnt, 12 Bunkerhäuser mit den Abmaßen 36 x 16 m (Länge x Breite). Die Giebelhöhe betrug über Erde 15 Meter, der unterirdische Teil reichte bis zu 9 m tief ins Erdreich. Von den insgesamt 5 Etage lagen 3 Etagen, das Erd-, Ober- und Dachgeschoss, überirdisch und demzufolge die anderen 2 Etagen, das Keller- und das Tiefgeschoss, unterirdisch. Im Tiefgeschoss waren die 12 Häuser mit einem 600m langem Ringstollen untereinander verbunden, dieser diente neben dem gefahrlosen Bewegen von Haus zu Haus bei Bombenalarm auch zur Medienführung und zur Verlegung der Rohrpostanlage, über die jedes Haus mit dem Nachrichtenbunker "Zeppelin", dem Amt 500, verbunden war. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss der Häuser befand sich ein geschützter Kern, umgeben von ungeschützten Arbeitsräumen, welche nur von einer 36er Mauerwand umgeben waren. Die Wand- und Deckenstärken des Schutzkernbereiches lag bei 1m Stahlbeton, die Decken waren zusätzlich mit 24 cm starken Doppel-T-Trägern abgedeckt. Diese Bereiche wurden über doppelwandige Gasschutztüren betreten, innerhalb des Schutzbereiches befanden sich je 2 Treppenhäuser bis ins Tiefgeschoss. Alle Häuser waren von 4 Seiten begehbar, die Eingangsbereiche waren dabei jeweils als Gasschleuse ausgebaut worden. Notstromaggregate befanden sich im Tiefgeschoss der Häuser A4 und A9.

Zu Tarnungsgründen wurden alle Häuser mit Wohnhausfenstern ausgestattet, die Dachflächen mit Dachpappe abgeklebt und die Zugangstüren mit Holz verkleidet. Zusätzlich fungierten 2 Schornsteinattrappen als Zu- und Abluftführung. Der ursprüngliche Fassadenputz der Häuser wurde später mit Tarnfarbe gestrichen.
Die beiden unterirdischen Etagen der Häuser waren so ausgelegt worden, dass bei Luftalarm die gesamte Belegschaft dort hinunterziehen und weiterarbeiten konnte.

Reste einer Filteranlage im Tiefgeschoss des Hauses A12

Im Ringstollen

 

Zum Kriegsende verließen die letzten Mitarbeiter des OKH die Bunkeranlage am 20. April 1945, am 21. April fanden die vorrückenden sowjetischen Truppen die leere Bunkeranlage vor. Laut Direktive NR. 22 des alliierten Kontrollrates wurden die Bunkeranlagen zwischen 1946 und 1948 von den sowjetischen Streitkräften mehr oder weniger erfolgreich gesprengt. Heute können die Ruinen der gesprengten Maybachhäuser über den "Förderverein Garnisonsmuseum Wünsdorf e.V."
besichtigt werden, Kontakt unter oben genannter Adresse. Auch der Großteil des Ringstollensystems ist weiterhin in Abschnitten auf eigene Gefahr begehbar.

 

Quelle und Buchtipp:

 

- Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf: "Die Bunkeranlagen", erhältlich vor Ort oder im hiddenplaces.de Onlineshop
- Kampe, Hans Georg: "Deckname Zeppelin", ISBN: 3-932566-17-3
- Kaiser, Gerhard: "Vom Sperrgebiet zur Waldstadt", ISBN: 978-3-86153-434-1

 

Bildergalerie:

 

Direktlink zur Bildergalerie : Wünsdorf, Oberkomando des Heeres, Maybach I