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Das Objekt 17/5001, die Ausweichführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates

 

  • I Der Komplex 5000
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  • II Der Führungskomplex 17/5001
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  • III Das TO-01
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  • IV weitere Schutzbauwerke im Objekt
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  • V aktueller Zustand und weitere Informationen
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    I Der Komplex 5000

     

    Garagenkomplex im Fuhrpark

    Toreinfahrt zum NVR Stabsgebäude

     

    Typ : Führungsstelle
    Bunkertypen : Monolith, FB-3, FB-75, MB/BS
    Etagen : 3
    Zustand : mäßig

     

    In den Jahren 1968 und 1974 fasste der nationale Verteidigungsrat der DDR Grundsatzbeschlüsse zur Errichtung geschützter Führungsstellen für die Staats - und Parteiführung. Unter der Bezeichnung "Komplex 5000" wurden daraufhin mehrere Bunkerkomplexe errichtet, die ursprüngliche Planung umfasste dabei 8 Anlagen, jedoch wurden später Einsparungen, wohlmöglich aus finanziellen Gründen, getroffen. Geplant waren ursprünglich:

    - Das Objekt 17/5001, die Führungsstelle des NVR mit der Schutzklasse A
    - Das Objekt 17/5002, der Funkführungsbunker des Komplex 5000 mit der Schutzklasse B
    - Das Objekt 17/5004, Zentrale Datenverarbeitungsanlage
    - Das Objekt 17/5005, die Führungsstelle des Minister für Staatssicherheit mit der Schutzklasse A
    - Das Objekt 17/5011, ein Nachrichtenbunker mit der Schutzklasse E
    - Das Objekt 17/5012, die Wechselführungsstelle mit der Schutzklasse A
    - Das Objekt 17/5020, die Die Kurier-, Melde- und Verteilerzentrale mit der Schutzklasse E
    - Das Objekt 17/5021, eine Reservesendestelle mit der Schutzklasse E
    - Das Objekt 17/5022, eine Reservesendestelle mit der Schutzklasse E

    Abweichungen nach der Realisierung:

    17/5001: Herabstufung des Bauwerks von SK A auf SK B
    17/5002: Herabstufung des Bauwerks von SK B auf SK C
    17/5004: nicht realisiert
    17/5005: Errichtet wurde ein Bauwerk mit der Schutzklasse D, Eine geplante, hydraulisch ausfahrbare Antenne analog dem TO-30 des
                  Objektes 17/5021 wurde nicht mehr realisiert.
    17/5012: nicht realisiert
    17/5022: nicht realisiert

    Die Herabstufungen der Schutzklassen ergaben sich dabei nicht aus Sparmaßnahmen oder Abweichungen vom ursprünglichen Projekt, sondern vielmehr aus modernen Erkenntnissen auf dem Gebiet der Schutzbauwerkstechnik und dem feindlichen Waffenarsenal. Erwähnenswert ist ausserdem, dass der Komplex 5000 bis zur Auflösung der DDR niemals wirklich fertig gestellt wurde, die 17/5005 wurde aufgrund von technischen Mängeln nie übergeben.

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    II Der Führungskomplex 17/5001

     

    Das Dienstgebäude (TO 04)

    Tankstelle im Gelände

     

    Nordöstlich Berlin, bei der kleinen Ortschaft Prenden, entstand das größte Objekt des Komplex 5000, die Ausweichführungsstelle des nationalen Verteidigungsrates.
    Das vom Wachregiment bewachte Gelände wies den üblichen Aufbau eines Bunkerkomplexes der DDR auf. Vorn die U-Zone mit einem Fahrzeugpark, Kasernen und Arbeitsgebäuden. Ebenfalls dort, das Stabsgebäude des NVR, unter diesem ein geschützter Keller und ein cirka 200m langer Tunnel zum Hauptbunker, dem Teilobjekt 01. Dieser lag südlich der U-Zone in einem von einer HSA umgebenen Fläche. Weiter befanden sich um das Objekt herum verteilt, eine Vielzahl anderer kleinerer Schutzbauwerke, welche weiter unten noch etwas näher erläutert werden sollen.

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    III das TO - 01

     

    Das Stabsgebäude des NVR

    Zugang zum geschützten Keller und Tunnel zum TO 01

     

    Das Teilobjekt 01 war das Kernstück des Objektes. Das Schutzbauwerk der Schutzklasse B (projektiert zur damaligen Zeit als SK A) kann als ingenieurtechnische Meisterleistung angesehen werden. Verantwortlich zeichnete sich das dem MfNV unterstellte Projektierungsbüro Süd in Dresden. Der Aushub der Baugrube begann 1976, 1978 wurde dann mit dem Rohbau des Bunkers begonnen. Errichtet wurde ein dreigeschossiges Bauwerk mit den Abmaßen 48,9 x 66,3m auf einer 2,4m starken Bodenplatte. Die Wandungen wurden in 1,65m Stärke gegossen, aussen angbracht ausserdem verschweißte Stahlplatten mit einer Stärke von 8mm zum Schutz vor Wasser und gleichzeitig als EMP Schutz. Die Geschossdecken waren 70 cm stark, die Schutzkerndecke 75cm. Über dieser ein 1,8m hohes Zwischengeschoss, gefüllt mit 50cm Kies. Abschließend dann eine Zerschellschicht mit einer Stärke von 3,75 - 4,65m Stärke. Diese war überkragend errichtet worden, das Maß des Überstandes variiert von 12 - 21,9m. Massive Betonhauben, getarnt in Blechhütten, schützten die Ansaugschächte für die Zuluft. Die nutzbare Fläche im Bauwerk umfasste etwa 7500 m². Nach dem Seewerk Falkenhagen und dem Amt 500 in Wünsdorf handelt es sich somit um das drittgrößte monolithische Grabenschutzbauwerk in Brandenburg.

    40 Stahlbetonsäulen mit einer Höhe von 16,3m und Seitenmaßen von 2,4 x 3m stützten das Bauwerk im Inneren ab, Highlight waren jedoch die 7 Tragwerke. Dabei handelt es sich um Stahlfachwerkcontainer, welche freihängend an Stahlseilen und auf Stickstoffstoßdämpfern Beschleunigungskräfte von bis zu 15g auf 1g reduzieren konnten. Diese Container beinhalteten die wichtigsten Räumlichkeiten, wie die Nachrichtenräume, den Dispatcherraum, Die USV Anlage und natürlich die operativen Räume und Ruheräume des NVR. Das größte Tragwerk, das TW 4, besaß die Abmaße von 23,2 x 25,2m und wog immerhin fast 600t ! Weitere wichtige Technik wie zb die Drucklufterzeugung, war auf an Federn aufgehängten Plattformen montiert.

    Die meiste Technik war weitestgehend automatisiert, 5 Dieselaggregate mit je 400KVA Generatorscheinleistung sollten die Spannungsversorgung im Schutzbauwerk sicherstellen, für wichtige verbraucher war eine USV Anlage installiert. Die Frischluft für die Netzersatzaggregate wurde dabei über einen Massekühler angesaugt. 3 Klimablöcke mit jeweils über
    20000 m³/h Volumenstrom versorgten das Bauwerk mit angenehmer Innenluft. Beeindruckend auch die riesige Schleusenkonstruktion am Bauwerkseingang. Ebenfalls vorhanden war eine Halon-Löschanlage für das in 11 Brandabschnitte eingeteilte Bauwerk.
    Enorm war der Wasserverbrauch des Bunkers mit bis zu 53m³/h, resultierend aus der benötigten Kühlung der NEA, der Abgasverbrennungsanlagen und den Klimablöcken. Die Wasserversorgung des Bauwerks erfolgte normalerweise aus 2 Brunnen von aussen, bei Ausfall der beiden Brunnen wäre der Innenbrunnen genutzt worden.

    Weiter befand sich im Gelände der Bunkerzone noch ein Antennenfeld mit 9 Antennenanlagen zur Kommunikation mit der Aussenwelt, zum Senden diente jedoch vorrangig das Objekt 17/5002.

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    IV Weitere Schutzbauwerke im Objekt

     

    Zugang zum KCB Bunker

    Innenansicht eines Wachbunkers vom Typ FB-3

     

    Im gesamten Gelände des Führungskomplexes befanden sich eine ganze Reihe weiterer kleiner Schutzbauwerke:

    - Ein geschützter Keller unter dem Dienstgebäude TO 04

    - Eine Vielzahl Manschaftsbunker vom Typ FB-3, zumeist an der Aussengrenze des Objektes zur geschützten Unterbringung der Wachmanschaften.

    - Ein KCB Beobachtungsbunker (Kernwaffen-, chemische- und bakteriologische Aufklärung), Ein Beobachtungsturm mit angesetztem FB-3. Der Turm ist mittlerweile schwer beschädigt.

    - Das TO 15, geschützte Garagen zur Unterbringung des Fuhrparks der NVR Mitglieder. Diese wurden im Nachhinein mit Unrat gefüllt.

    - 3 Stück FB-75 zur geschützten Unterbringung von SPWs, welche bis zur Unterkannte mit Schutt verfüllt wurden.

    - Der Objektführungsbunker (TO 22.4), ein Typenbauwerk der Reihe MB/BS (MB 3) , annährend baugleich dem Objektführungsbunker des Objektes 17/5021. Das Bauwerk ist ebenfalls verschlossen.

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    V aktueller Zustand und weitere Informationen

     

    Postenturm

    Reste der HSA

     

    Das gesamte Gelände des Führungskomplexes 17/5001 gehört dem Land Berlin.
    Nach der Wende verschloss die Bundeswehr nach erfolgtem "Rückbau" einer zivilen Firma das Hauptschutzbauwerk "professionell". Die 5 Netzersatzanlagen verschwanden dabei, der Großteil der restlichen Technik verblieb jedoch im Bauwerk. 2002 Wurde dieses dann illegal geöffnet und infolge dessen mehrmals von Bunkertouristen und Schrottdieben gefleddert. 2003 erfolgte die Eintragung des Bunkers mit Stabsgebäude und Zugangstunnel von diesem in die Denkmalschutzliste des Landes Brandenburg, was die Obrigkeit des Landes Berlin aber kalt lies.
    Nachdem das Bauwerk in der 2. Hälfte des Jahres 2008 dann für temporären Publikumsverkehr durch den BBN e.V. geöffnet wurde, erfolgte am Ende des Jahres dann der denkmalsgerechte Verschluss. Zusätzlich erfolgte eine Ausschreibung zum Verkauf der U-Zone. Der Zustand des Bauwerks war im Jahre 2008 ziemlich beklagenswert, dicker Schimmel bedeckte das meiste verbliebene Inventar, in den operativen Räumen und den Räumlichkeiten der einzelnen NVR Mitglieder herrschte gähnende Leere.

    Der BBN e.V. dokumentierte während der Zeit der Zugangsmöglichkeit das Bauwerk mithilfe der Panoramafotografie. 2010 wurde schließlich der Bunker 5001 e.V. gegründet, der diese Panorama-Aufnahmen zusammen mit Originaldokumenten nun zu einer umfangreichen Dokumentation, nicht nur zu diesem Bauwerk, sondern auch zu den anderen Schutzbauwerken des Komplex 5000 ausarbeiten wird, so dass in Zukunft die Möglichkeit besteht, die Bauwerke zumindest virtuell begehen zu können. Die Hoffnung bleibt, dass das Bauwerk irgendwann wieder geöffnet und für jedermann als offizielles Museum zu besichtigen sein wird. Der aktuelle Stand zur Dokumentation ist unter www.bunker5001.com zu erfahren.

     

    Quellen:

    - Bergner, Paul: Programm Delphin
    - www.bunker5001.com

     

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