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Das Objekt 17/5002, die schwer verbunkerte Sendestelle des NVR

 

Ein "Déjà-vu..."

 

Typ : Funksendezentrale
Bunkertypen : Monolith, FB-75, FB-3
Etagen : 2
Zustand : gut

 

Bei Marienwerder im Wald gelegen, befand sich das Objekt 17/5002, die schwer geschützte Sendestelle der Hauptführungsstelle des NVR. Man verwendete, durch die ähnlichen Anforderungen an diese Sendestelle, den Typenbau für schwer geschützte Funksendezentralen, welcher bereits als Prototyp für das Objekt 17/448 errichtet wurde. Geplant war ursprünglich ein Bauwerk der Schutzklasse B. Gebaut wurde 1978 bis 1983, der Grundwert belief sich auf etwa 48 Millionen Mark der DDR. Zur Führungsstelle angebunden war der Bunker über mehrere Erdkabel, im Umfeld des Schutzbauwerks befanden sich insgesamt 17 Antennen, sowohl über-als auch unterirdisch. Das Gelände der Sendestelle gliederte sich wie üblich auf, vorn eine U-Zone mit Kasernenbauten, dahinter dann die von einer HSA umgebene P-Zone, in der sich das Hauptbauwerk befand. Heute ausserdem noch vorzufinden, ein zugeschobener FB-75 in recht langer Ausführung, dieser diente als Garagenbunker. Ausser diesen beiden Bauwerken und einer fledermaustauglich hergerichteten Zisterne sind keine weiteren der ursprünglichen Bauwerke erhalten, alle anderen Bauten wurden bis 2005 abgerissen. Betritt man heute die Parkzone, wird man nur noch die 3 mächtigen Betonhauben sehen, welche die Frischluftansaugungen schützen sollten.

Der Bunker selbst hatte seinen Hauptzugang unter einer Baracke, eine kleine Wellblechhalle nebenan tarnte den Montageschacht ab. Durch den Haupteingang gelangte man in den Zugangstunnel, welcher, wie üblich bei größeren Schutzbauwerken, abgewinkelt wurde, damit er im 90° Winkel auf die Zugangstür mit dem dahinterliegenden 1. Schutztambour stößt. Der Sinn dahinter war, dass eine laufende Druckwelle, hervorgerufen durch eine nahe Detonation, nicht direkt auf die Zugangstür prallt.

 

Betonhaube für Frischluftansaugung NEA über Massekühler, am linken Bildrand die Haube für die Bauwerksfrischluft

Blick durch den Schutztambour in das Bauwerksinnere

 

Trotz der bereits erfolgten Angaben zum Schwesterbauwerk bei Kunersdorf hier noch einmal die Bauwerksparameter mit einigen Ergänzungen im Überblick:

- Investitionsvorhaben 17/5002
- Schutzklasse C (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 250 Kg, Druckfestigkeit 5 Kp/cm², ABC Schutz)
- Abmaße Zentralbauwerk: 37,5m x 23,4m x 13,6m (L,B,H)
- Stärke Bodenplatte: 1,5 m
- Stärke Aussen- und tragende Wände: 90cm
- Stärke Schutzkern- und Zwischendecke: 60 cm
- Zerschellschicht(ZS) 2,1m, überkragend 7,5 - 18m, zwischen ZS und Schutzkerndecke ein 1,1m hohes Zwischengeschoss, 60cm hoch mit
  Kies gefüllt
- Umbauter Raum: ca 16000m³
- Energieversorgung (Bedarf etwa 500 KW) über externe Transformatoren, im Bauwerk selbst zur Stabilität und Sicherheit des Netzes über
  Trenntransformatoren geführt.
- Netzersatzanlage: 3x 400 KVA, vermutlich Dieselmotore 6VD 18/15 AL-1 SRW, Automatikbetrieb über ADS
- 4 Tanks für Dieselkraftstoff, je 12000 Liter Fassungsvermögen
- NEA Frischluftansaugung über Massekühler
- USV Anlage 20 KVA
- 2x2 thermokatalytische Filter mit insgesamt 17 KW (AdgL), jeweils 2 Stück parallel, davon je ein Reserve
- Klimablock KB 13, 40420m³/h, Frischluftanteil in BW I und BW II: 5000m³/h
- Durckluftanlage mit 2 Verdichtern zur Überdruckhaltung in BW III
- Innenbrunnen mit max 70m³/h
- Maximale Hermetisierungszeit (BW III): 24 Stunden
- Besatzung: maximal 80 Personen

Ansonsten gleicht die Raumnutzung in etwa die des Objekt 17/448, so das hier nicht weiter darauf eingangen werden muss.

 

NEA Umluft und Montageschacht

Bauwerksdispatcher, hinten Pult der ADS

 

Der Werdegang des Bauwerks nach Betriebsende: Der Bunker wurde 1993 nach Aufgabe durch die Bundeswehr sehr gewissenhaft versiegelt, Sendetechnik und Netzersatzanlagen wurden dabei demontiert, alles andere an Technik blieb im Bauwerk zurück. Alle Schächte wurden verschalt und komplett ausbetoniert, der Zugang in der Baracke erfuhr das selbe Schicksal. Im Jahr 2002 wurde das Bauwerk durch Interessierte über Kernbohrungen im Zugangstunnel geöffnet und stand bis 2008 offen zugänglich. Es erfolgte ein erneuter Verschluss.

Im Rahmen der Dokumentation des Komplex 5000 durch den Bunker 5001 e.V. wurde das Bauwerk zum Zwecke für Aufnahmen von Panoramen erneut für etwa 2 Monate legal geöffnet und konnte im Rahmen einer Vereinsmitgliedschaft besichtigt werden. In diesem Zusammenhang konnten wir ebenfalls das Bauwerk besichtigen. Der Zustand ist nach intensiver Arbeit durch die Vereinsmitglieder wieder als gut zu bezeichnen, die Elektroanlage war noch so gut in Schuss, dass durch relativ wenige Handgriffe auch die Notbeleuchtung mit Hilfe eines externen Aggregats wieder zum leuchten zu bringen war.
Wir bedanken uns recht herzlich bei allen Mitgliedern des Bunker 5001 e.V. für diese einmalige Gelegenheit, das Bauwerk besichtigen zu können.

Weitere Informationen zur Dokumentation sind unter www.bunker5001.com zu erfahren.

 

Quellen:

- Best, Stefan: Geheime Bunkeranlagen der DDR
- Bergner, Paul: Programm Delphin

 

 

Auswahl der Medien:

 

Direktlink zur Bildergalerie 1 : Objekt 17/5002, Obergeschoss
Direktlink zur Bildergalerie 2 : Objekt 17/5002, Untergeschoss