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Objekt 7001 bei Freudenberg

 

Tore der Garagenmodule von TO 1 und TO 2

 

Bunkertypen : MB/BS, FB-3
Etagen : 1
Zustand : gut
Zugang : halbjährlich, Termine über www.ddr-bunker.de

 

Beim Örtchen Freudenberg, nordöstlich von Werneuchen, befindet sich die ehemalige Führungsstelle des Ministeriums des Inneren der DDR
(MdI). Ursprünglich war ein Schutzbauwerk der Schutzklasse A (Objekt 7007) bei Prötzel geplant, welches aber durch finanzielle Engpässe nie
realisiert wurde1. Stattdessen begann ab März 19831 am Standort Freudenberg, legendiert als Schulungsobjekt des MdI, der Bau von 3
Schutzbauwerken des Typ MB/BS, welche nur die Schutzklasse E erreichten. Kosten insgesamt: 58 Millionen Mark. Die Fertigstellung aller 3
Bunker erfolgte 1986, im Juni diesen Jahres war die Einweihung, die Fertigstellung der Nachrichtentechnik erfolgte allerdings erst 19871.
Es war geplant, den Bunkerkomplex um ein weiteres Schutzbauwerk der Schutzklasse A (bzw. B) zu erweitern (Objekt 7008), hierzu kam es
allerdings nicht mehr.
Das Objekt Freudenberg gliedert sich ähnlich den Bunkerobjekten der NVA. Im vorderen Teil befindet sich eine Kaserne mit mehreren
Gebäuden und Postenbunkern vom Typ FB-3, auffällig sind drei baugleiche Plattenbauten, wovon das dritte, westlichste Gebäude
(Teilobjekt 4) als Hauptzugang zum Bunkerkomplex diente und unter dem sich bereits ein geschützter Keller mit Zugang zu einem 260m
langem Tunnelsystem2, welches die 3 Bunker verbindet, befindet. Dieser Tunnel führt in die nochmals eingezäunte, sogenannte "Parkzone",
in der sich neben den drei Schutzbauwerken nur noch ein Garagenkomplex und einige weitere Postenbunker vom Typ FB-3 befinden.
Übersichtsskizze des Bunkerkomplexes:

 

 

gezeichnet nach GVS 091 201 / Paul Bergner

 

Die Teilobjekte 1 und 2

 

Zugang zum geschützten Keller im TO 4

das Tunnelsystem

 

Der erste fertiggestellte Bunker war das TO 1, welches nahezu baugleich dem TO 1 des Objekt 17/5020 errichtet wurde. In diesem Bauwerk
befanden sich zunächst bis zur Fertigstellung des TO 3 auch provisorisch die Ministerräume1, weiter die Fernmeldetechnik wie Vermittlung
und die Fernschreiber. Der Bunker des Typs MB/BS war ein monolithisches Bauwerk, welches modular aus unterschiedlichen Bausteinen
zusammengesetzt werden konnte. Im konkreten Fall setzte sich das TO 1 aus den Bausteinen "Zugang/technische Sicherstellung", "Operativ",
"Nachrichten" und "Garagen" zusammen2. Über dem Schutzbauwerk wurde eine Baracke errichtet. Das etwas später fertiggestellte, parallel
zum TO 1 liegende TO 2 war nahezu baugleich zum TO 1, lediglich einige Leichtbauwände wurden etwas anders aufgestellt. Das TO 2
beherbergte die Fernschreibvermittlung und die Funktechnik. Zur weiteren Ausstattung der beiden Bauwerke gehörten eine Küche mit
Speiseraum, ein Med. Punkt, sanitäre Anlagen, eine Filtersektion für die Frischluftzuführung, jeweils zwei Teilklimablöcke, ein Brunnen zur
Wasserversorgung und ein Vorlagebehälter für Kühlwasser. Zur Notstromversorgung standen eine USV Anlage und ein Netzersatzaggregat zur
Verfügung. Der Zugang konnte über den Garagenbaustein, dem Tunnelsystem, einem Zugang aus der Baracke oder einem Außenzugang
erfolgen. Jeder dieser Zugänge führte durch mehrere Tamboure, bis auf dem Zugang vom Garagenbaustein verfügten die anderen drei
Zugänge über eine Dekontaminationsmöglichkeit in einem dieser Tamboure.
Die technischen Daten beider Bauwerke im Überblick1,2,3:
- Abmaße 49,8m x 13,8m (L,B Schutzbauwerk), 24,9m x 15m (L,B Garagenbaustein)
- Außenwandstärke 45 cm
- Deckenstärke 60 cm
- Schutzklasse: E (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 100 Kg, Druckfestigkeit 1Kp/cm², ABC Schutz)
- Netzersatzanlage, ein Dieselmotor Typ 6VD 14,5/12 SRW, Generatorleistung 75 KVA
- USV Anlage
- Luftfilteranlage mit Plattenfilter, Feinstaubfilter, FP 200 Absorptionsfilter
- je Bauwerk 2 Stück Teilklimablöcke (Kühler, elektrischer Nacherhitzer)
- Besatzungszahl: 50 Personen (TO 1), 60 Personen (TO 2)
- Hermetisierung maximal 10 Stunden, Kühlwasservorrat 1 Stunde, Autonomiezeit 3 Tage
- Besonderheit: RDU Komplekte zur Luftregenerierung (Untypisch für dieses Wiederverwendungsprojekt)

 

Das Teilobjekt 3

 

Filteranlage des TO 3

Lagezentrum im TO 3

 

Das Teilobjekt 3 stellt einen modifizierten Typenbau MB/BS dar und wurde als letztes fertiggestellt. Es ist das größte, jemals errichtete
Bauwerk des Projektes MB/BS, die Länge von fast 90m wurde bei keinem anderen Typenbauwerk dieses Projektes erreicht. Im Gegensatz zu
den beiden anderen Teilobjekten findet man hier keine Barackenüberbauung vor, ebenso fehlt hier der Garagenbaustein. Das Bauwerk setzt
sich aus den Bausteinen "Zugang/technische Sicherstellung", Nachrichten", zwei Stück "Operativ" und einem speziell für dieses Projekt
entwickelten Lagezentrum am Ende des Bauwerks zusammen2. Weitere Besonderheit war die großzügige Schleusenanlage am Zugang des
Bauwerks, diese entsprach der Schleusenklasse D (5 Personen/h)2. Außerdem verfügte dieses Bauwerk über einen Bauwerksdispatcher,
dessen Leitzentrale steuerte auch die technischen Einrichtungen wie NEA und Lüftung der anderen beiden Teilobjekte. Der Med. Punkt war
hier mit einem OP ausgestattet. Einzigartig bei diesem Typenbauwerk war auch eine Abreißfuge etwa mittig des Bauwerks. Wie bereits erwähnt,
findet man am Ende des Bunkers das Lagezentrum vor, dieses erstreckte sich über die gesamte Bauwerksbreite und war unter anderem mit
einer beweglichen Kartenwand ausgestattet. kurz vor dem Lagezentrum befanden sich die Räume des Ministers, eine besondere Ausstattung
hatten diese nicht.
Die technischen Daten des TO 3 auch hier nochmal im Überblick1,2,3:
- Abmaße 87,9m x 13,8m (L,B)
- Außenwandstärke 45 cm
- Deckenstärke 60 cm
- Schutzklasse: E (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 100 Kg, Druckfestigkeit 1Kp/cm², ABC Schutz)
- Netzersatzanlage, ein Dieselmotor Typ 6VD 14,5/12 SRW, Generatorleistung 75 KVA
- USV Anlage
- Luftfilteranlage mit Plattenfilter, Feinstaubfilter, FP 200 Absorptionsfilter
- je Bauwerk 2 Stück Teilklimablöcke (Kühler, elektrischer Nacherhitzer)
- Besatzungszahl: 90 Personen
- Hermetisierung maximal 10 Stunden, Kühlwasservorrat 1 Stunde, Autonomiezeit 3 Tage
- Besonderheit: RDU Komplekte zur Luftregenerierung (Untypisch für dieses Wiederverwendungsprojekt)
- Abreißfuge mittig des Bauwerkes

 

Der heutige Zustand

 

Elektroverteiler im TO 1

Garagenmodul TO 1

 

Nach dem Ende der DDR wurde die Anlage im Jahr 1992 von Gutachtern der Bundesregierung nochmals begangen und für unbrauchbar
bewertet. Danach übernahm die Gewerbeförderung Freudenberg AG das Gelände, unterschiedliche Unternehmen nutzen Teile des Geländes,
die Bunkeranlage ist verschlossen und bewacht. Die Anlage präsentiert sich heute weitestgehend vollständig, aber stark schimmelbelastet.
Zum Jahreswechsel 2012/2013 wurde das Gelände an ein Pharmaunternehmen verkauft4. Nach wie vor sind halbjährliche Besichtigungen
der Bunkeranlage mit dem Bunkerexperten Paul Bergner möglich, Kontakt unter oben angegebener Webadresse.
Quellen:
1 Programm Delphin - Paul Bergner - ISBN 978-3-930588-78-7
2 Geheime Bunkeranlagen der DDR - Stefan Best - ISBN 3-613-02332-6
3 eigene Beobachtungen
4 Märkische Oderzeitung vom 13.1.2013

 

Auswahl der Medien:

 

Direktlink zur Bildergalerie 1 : Objekt 7001 Ausweichführungsstelle des MdI Aussenanlagen
Direktlink zur Bildergalerie 2 : Objekt 7001 Ausweichführungsstelle des MdI TO-1
Direktlink zur Bildergalerie 3 : Objekt 7001 Ausweichführungsstelle des MdI TO-2
Direktlink zur Bildergalerie 4 : Objekt 7001 Ausweichführungsstelle des MdI TO-3

 

 

 

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