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Fla-Raketenabteilungsgruppe 411 Badingen

 

  • I Objekt "Palladium": ein S-200 Komplex
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  • II Schutzbauwerke der FlaK und Wachmannschaften
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  • III Bogendeckungen, Bunker und Plattformen für Kabinen
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  • IV Lagerbereich und technisches Sicherstellungsbauwerk
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  • V Feuerstellungen
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  • VI Quellen und weitere Literaturverweise
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    Bunkertypen : FB-75, FB-3, MB/BS, Monolith
    Etagen : 1, 2
    Zustand : schlecht

     

     

    I Objekt "Palladium": ein S200 Komplex

     

    Die entkernte U-Zone

    Postenturm an der westlichen Einfahrt

     

    Bei Badingen im Norden Brandenburgs befand sich eine der drei S-200 "Wega" Flugabwehrraketenkomplexe der LSK/LV mit dem Tarnnamen "Palladium". Mitte der 80iger Jahre gehörte das aus sowjetischer Produktion stammende S-200 System zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt, entsprechend groß war die Geheimhaltung des gesamten Komplexes.
    Das Flugabwehrraketensystem besaß eine maximale Reichweite von 255 Km und diente zur Bekämpfung vorallem von hoch fliegenden feindlichen Flugkörpern. Zum System gehörten neben den eigendlichen Raketen noch eine Reihe von verschiedenen Aufklärungs- und Zielsuchsystemen, montiert auf mobilen Geräteträgern und Sattelaufliegern.
    Unterstellt der 41. Fla-Raketenbrigade, waren in Badingen die Fla-Raketenabteilung (FRA) 4111 und die Fla-Raketenabteilung 4112 zur Fla-Raketenabteilungsgruppe (FRAG) 411 zusammengefasst, jede FRA bediente jeweils einen der 2 vorhandenen Schießkanäle. Unmittelbar dem Komplex ist ausserdem noch eine S-125 "NEVA" Stellung zuzuordnen, die FRA 4131 cirka 15 Km entfernt, diente zur Deckung der FRAG 411 und bekam seine Zielzuweisung aus deren Gefechtsstand.

     

    S 200 im Luftwaffenmuseum Gatow

     

    Der Komplex unterteilte sich in die Unterkunftszone und dem Stellungsbereich.
    Die Unterkunftszone bestand aus typischen DDR Neubauten und einem Garagenkomplex, heute sind die Neubauten entkernt, der Garagenkomplex wird von einem Fuhrunternehmen nachgenutzt, unter anderem gehörte auch ein Heizhaus zur U-Zone, dieses wurde allerdings bereits abgerissen, nur noch der Schornstein zeugt von dessen Existenz.

    Cirka 800m westlich findet man schließlich den Bereich der ehemaligen Stellung, dieser war von einer Mauer und einer innenliegenden HSA umgeben, das Gelände besaß in seiner größten Ausdehnung von Nord nach Süd immerhin einen Durchmesser von etwa 1,6 Km und lässt sich grob in die Bereiche Feuerstellung, Lagerbereich und Raketenmontage, dem Zielaufklärungs/Erfassungsbereich und dem technischen Sicherstellungsbereich unterteilen. Man findet eine Vielzahl von Schutzbauwerken auf dem Gelände verteilt, da jedoch der gesamte Stellungsbereich zu einem Windpark umfunktioniert wurde, sind viele der Bunker heute bis zur Oberkante mit lehmigen Boden verfüllt, ohne einen entsprechenden Lageplan sind die Bauwerke deshalb heute nur noch schwer auszumachen.

    Die folgende Übersicht stellt die von uns identifizierten Schutzbauwerke dar, wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da viele Bunker kaum mehr zu erkennen sind:

     

     

    Nachfolgende Abschnitte behandeln die einzelne Bereiche der Stellung und die dort zu findenden Schutzbauwerke etwas detaillierter:

     

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    II Schutzbauwerke der FlaK und Wachmannschaften

     

    FB-3 an der FlaK Stellung...

    ... und im Bereich für die Wachmannschaften

     

    Sowohl an der nördlichen FlaK Stellung des Komplexes als auch in einem separat eingezäunten Bereich an der östlichen Objektgrenze sind insgesamt 5 Fertigteilbunker vom Typ FB-3 zu finden, letztere lassen sich wahrscheinlich den Wachmannschaften des Objektes zuordnen. Während die zwei FB-3 der FlaK Stellung noch vollständig erhalten, im Sommer allerdings nur mit Machete zugänglich sind, wurden die Bunker für die Wachmannschaften mit Erde zugeschüttet und die Lüftungsrohre entfernt, lediglich ein kleines Loch am Eingang wurde wie üblich für Flattermänner offen gelassen.

     

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    III Bogendeckungen, Bunker und Plattformen für Kabinen

     

    FB-75/FB-3 Komplex für Höhenmesser PRW-17

    Zugeschüttete, geschützte Garagen für Oborona 14

     

    Sämtliche Zielerfassungs- und Aufklärungssysteme (unter anderem die als Kabinen bezeichneten Sattelauflieger) wurden auf Hügeln mit Betonplattformen in Stellung gebracht, unter denen befand sich üblicherweise eine geschützte Garage oder ein bzw. zwei FB-75, üblicherweise mit einem Notausgang am anderen Ende des Bauwerks. Die Führungskabine K-9 fand im Garagenanbau des zentralen Gefechtsstandes der FRAG seinen Platz.
    Interessant sind die 3 Plattformen, die zu Betriebszeiten einen großen "Ballon" trugen, unter ihnen standen die Aufhellstationen K-1 und K-2 ,der dritte Ballon auf der weslichsten Plattform diente zu Tarnungs- bzw Ablenkungszwecken und war leer, unter dem Hügel war logischerweise auch kein Schutzbauwerk errichtet worden.

    Bis auf die 2 FB-75 mit rückseits angesetztem FB-3 für den Höhenmesser PRW-17 sind heute alle Schutzbauwerke unter den Plattformen bis zur Oberkante mit Erde verfüllt worden, eine Begehung wird dadurch wohl niemals wieder möglich sein.

     

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    IV Lagerbereich und technisches Sicherstellungsbauwerk

     

    Betankungsplatz für Raketen

    Hauptgang im Mannschafts- und Sicherstellungsbunker

     

    Relativ zentral im Objekt gelegen ist der ehemalige Lagerbereich des Komplexes. Zu finden sind neben dem Lagerbunker für die Raketen und den Betankungsplätzen auch zwei Treibstofflagerbunker und zwischen denen schließlich das größte Schutzbauwerk im Objekt, der Mannschafts- und Sicherstellungsbunker vom Typ MB/BS. Die Lagerbunker sind ausnahmslos mit Erde verfüllt.
    Der Typenbau MB/BS ist monolithisch errichtet worden und besaß die Schutzklasse E, ein besserer geschützter Keller also. Die gegossenden Wände sind immerhin 45 cm stark, die Erdüberdeckung allerdings sehr gering. Die Abmaße des Kernbunkers betragen etwa 55m x 14m ohne Anbauten. Dieser Typenbau wurde aus verschiedenen Bausteinen individuell zusammengesetzt, hier findet man eine Arbeitsräumebaustein (umfunktioniert zum Mannschaftsunterkunftsbaustein), einen Fernmeldebaustein und einen Technikbaustein. Am Eingangsbereich angesetzt ist ausserdem ein separater Schleusenbaustein zu finden.

    Arbeiträume sind nicht zu finden, alle Räume sind laut Beschriftung an den Türen als Ruheräume deklariert und dienten wohl zur geschützten Mannschaftsunterbringung. Der interessanteste Bereich ist wohl der vordere Technikbaustein, hier ist die komplette Mittel- und Niederspannungsstation für das Objekt zu finden, Transformatoren mit Scheinleistungen von 2500 KVA sprechen wohl für sich. Ausserdem zu finden sind 2 Netzersatzaggregate , leider von Schrottis völlig zerstört, erkennbar sind Dieselaggregate mit Abgas Turbolader, ein Typenschild mit Nennleistung ist leider unauffindbar, an den Generatoren wurden die Schilder entfernt.

    Der gesamte Bunker ist, wie in verlassenen Militärobjekten üblich, ziemlich verwahrlost, es wurde viel zerstört und geklaut, auch Wasser steht je nach Jahreszeit im Bunker, vorallem im Technikbaustein säuft regelmäßig der NEA Raum und die LTA ab.
    Alle Zugänge und Schächte zum Bunker wurden auch hier mit lehmiger Erde verfüllt.

     

    In 3D Perspektive, der Plan des Mannschafts- und Sicherstellungsbunkers:

     

     

     

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    V Feuerstellungen

     

    Gleise zum Starttisch

    Feuerstellung mit Schutzbauwerk

     

    Im südlichen Bereich des Geländes sind schließlich die Feuerstellungen zu finden, die beiden Schießkanäle des S-200 Komplexes bestanden aus je 6 Feuerstellungen. Jede Feuerstellung besaß ein Schutzbauwerk für die Unterbringung von je 2 Raketen auf den Lademaschinen, diese Lademaschinen fuhren automatisch per Elektroantrieb auf Gleisen zum Starttisch und übergaben die Raketen an die Startrampe.
    Zwischen den 6 Feuerstellungen eines Schießkanals war zentral die Startleitkabine K-3 in einem FB-75 Komplex positioniert, diese Bogendeckungen sind eine der wenigen noch begehbaren Bunker auf dem Gelände, auch hier wurde mittig ein FB-3 eingebunden. Jeweils rechts und links dieser Komplexe ist noch je ein FB-3 zum Schutz der Bedienmanschaften zu finden. Die einzelnen FB-3 und der FB-75 Komplex des 2. Schießkanals wurden leider Opfer sinnloser Zerstörungswut und Brandschatzung.

     

    ausgebrannter Manschaftsbunker

    FB-75 Komplex für Startleitkabine K-3

     

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    VI Quellen und weitere Literaturverweise

    Für weiter Informationen zum Thema S-200 sind folgende Webseiten zu empfehlen, diese Seiten dienten uns gleichzeitig zur Identifizierung der einzelnen Schutzbauwerke der FRAG 411, wir bedanken uns herzlich bei den Autoren:

    http://www.s200-wega.de
    http://www.s-200.de

     

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    Auswahl der Medien:

     

    Direktlink zur Bildergalerie 1 : FRAG 411 U-Zone und Stellung
    Direktlink zur Bildergalerie 2 : FRAG 411 FlaK und Wachbunker
    Direktlink zur Bildergalerie 3 : FRAG 411 Lagerbereich und technische Sicherstellung
    Direktlink zur Bildergalerie 4 : FRAG 411 Bunker, Bogendeckungen und Plattformen für Kabinen
    Direktlink zur Bildergalerie 5 : FRAG 411 Feuerstellungen
    Direktlink zur Bildergalerie 5 : Badingen 1989