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Das Organisations- und Rechenzentrum (ORZ) der NVA bei Garzau

 

Zugang vom Zugangstunnel

Bauwerksdispatcher

 

Typ : Nachrichtenbunker
Bunkertypen : Monolith
Etagen : 2
Zustand : Museum
Besichtigungen : über http://www.bunker-garzau.de

 

Nahe Strausberg, bei Garzau, befindet sich das ehemalige Organisations- und Rechenzentrum (ORZ) der NVA. Errichtet wurde hier ein vom
Projektierungsbüro Süd (PBS) projektiertes Schutzbauwerk der Schutzklasse B, die Errichtung erfolgte zwischen 1972 und 19751. Die
Übergabe an die NVA erfolgte 19762, der Gefechtsdienst erfolgte ab dem 1. Oktober 19761. Das ORZ diente als Operatives Auskunftssystem
des Stabes2 und war mit Rechentechnik aus dem RGW Programm ESER ausgestattet. Im Bauwerk wurden täglich die Daten sämtlicher
Truppenteile der NVA gesammelt, ausgewertet, danach aufbereitet und an diverse Führungsstellen wie der des MfNV oder des NVR
weitergeleitet.

 

Der Bunker liegt relativ unscheinbar hinter dem Kasernengelände des Objektes, auffällig nur der relativ natürlich wirkende Geländeanstieg
hinter dem Stabsgebäude. An Aufbauten sind auf dem Hügel nur der Gefechtszugang in Form einer kleinen Wellblechhütte, das Abgasrohr
und die Frischlufteinführung in Form von Ansaugrohren zu sehen. Das Bauwerk verfügt über zwei Etagen, der Zugang konnte ursprünglich
über einen Gefechtszugang durch einen Bypass oder durch die Dekontaminationsschleuse in das Obergeschoss oder über einen 200 m
langen Zugangstunnel aus dem Keller des Stabsgebäudes in der U-Zone direkt in das Untergeschoss erfolgen. Im Obergeschoss wird ein
Großteil der Fläche des Bunkers von den lufttechnischen Anlagen eingenommen. Die umfangreichen Filteranlagen liegen direkt neben der
Schleuse des Gefechtszuganges, der gewaltige Vollklimablock mittig des Bauwerkes direkt über den Räumen mit der Rechentechnik im
Untergeschoss. Weiter im Obergeschoss zu finden: eine Küche mit Speiseraum, ein Med-Punkt, Ruheräume, das Trinkwasserwerk und die
Nachrichtenzentrale mit einer ATZ und Räumen für die Fernschreiber.

 

Im Untergeschoss zentral angeordnet die Rechnerräume, außerdem die Netzersatzanlage, die Elektroverteilung, die Druckluftanlage zur
Überdruckhaltung in Betriebsweise III und die durchaus beeindruckende Dispatcherzentrale, von der aus der Bauwerkskommandant alle
wichtigen technischen Einrichtungen im Bauwerk überwachen und steuern konnte. Das Kühlwasser für die Klimablöcke, die Netzersatzanlagen
und die beiden Druckluftkompressoren wurde über Frischwasser bereitgestellt, der Rohwasserspeicher fasste 100 m3. Sowohl im
Obergeschoss als auch im Untergeschoss wurden alle Räume, wie üblich, über einen Ringflur erschlossen. Ein Großteil der Technik war auf
federnd gelagerten Fußböden montiert.

 

 

Die Druckluftanlage

zwei der insgesamt vier Netzersatzaggregate

 

 

Die Bauwerksparameter1,2,3 im Überblick:

 

 

- Investitionsvorhaben 17/206
- Schutzklasse B (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 1000 Kg, Druckfestigkeit 10 Kp/cm2, ABC Schutz)
- Abmaße Zentralbauwerk: 48,3 m x 42,9 m x 17 m (L,B,H)
- Stärke Bodenplatte: 1,5 m
- Stärke Aussen- und tragende Wände: 75 cm
- Stärke Schutzkern- und Zwischendecke: 55 cm
- Zerschellschicht(ZS) 2,1 m , überkragend 7,5 m , zwischen ZS und Schutzkerndecke ein 70 cm hohes Zwischengeschoss, 50cm
  hoch mit Kies gefüllt
- Energieversorgung (Bedarf 876 KW) über externe Transformatoren
- Netzersatzanlage: 4x 400 KVA, Dieselmotore 6VD 18/15 AL-1 SRW, Automatikbetrieb über ADS
- Tanks für Dieselkraftstoff mit 64000 Liter Fassungsvermögen
- thermokatalytische Filter (AdgL), 2 Stück parallel
- Vollklimablock mit Be- und Entfeuchtung, Kühlung und Heizung
- Druckluftanlage mit 2 Verdichtern zur Überdruckhaltung in BW III, 6 Behälter je 1,125 m3 bei 160 Bar
- Maximale Hermetisierungszeit (BW III): 24 Stunden
- Besatzung: maximal 128 Personen

 

 

 

Der Werdegang des Bauwerkes nach Auflösung der NVA: Die Bundeswehr nutzte das Bauwerk noch bis 1993 weiter, unternahm allerdings
keine Modernisierungen mehr. Danach wechselte das Bauwerk mehrmals den Besitzer. Plünderungen und Zerstörungen blieben Gott sei
Dank aus. Der Bunkerhügel dient heute als Paintball Spielfeld. Seit 2002 werden Führungen im Bauwerk angeboten, welchen bedenkenlos
empfohlen werden können, das Bauwerk präsentiert sich auch heute noch, wie eine Zeitkapsel, weitestgehend im Originalzustand.
Kontakt über die oben genannte Adresse.

 

 

 

Quellen:

 

1 Programm Delphin - Paul Bergner - ISBN 978-3-930588-78-7
2 www.bunker-garzau.de
3 PBS Unterlagen im Bauwerk

 

Stand: 10/2016

 

 

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