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Das Objekt 17/448, Tarnname "Wetterbeobachtungsstation"-
Die schwer verbunkerte Sendestelle der Hauptführungsstelle des MfNV bei Kunersdorf

 

Der Zugangsbereich des Bunkers, links Zugang zur NEA Um- und Abluft, rechts der Schutztambour des Haupteingangs.

 

Bunkertypen : Monolith
Etagen : 2
Zustand : derzeit mäßig, wird hergerichte
Zugang : Privatbesitz, Anmeldungen zu Besichtigungen über bunker-kunersdorf.de oder über hidden-places.net

 

Westlich Kunersdorf liegt in der ehemaligen Sandgrube des Rüsterbusches auf dem Gelände einer Straussenfarm die ehemalige verbunkerte Sendestelle des Bunkers Harnekop, der Hauptführungsstelle des Ministerium für nationale Verteidigung. Die Tarnbezeichnung des Bunkers war "Wetterbeobachtungsstation". Das Objekt trägt die Projektnummer 17/448.

Das Objekt weist die typische Anordnung auf, es war unterteilt in U-Zone und P-Zone (das eigendliche Bunkergelände) und von einer HSA gesichert. Das Schutzbauwerk selbst ist der Prototyp eines vom Projektierungsbüro Süd (PBS) entwickelten Wiederverwendungsprojektes für schwer verbunkerte Sendestellen. Es wurde 1982 fertiggestellt und in Betrieb genommen. Ein baugleicher Bunker wurde mit dem Objekt 17/5002, der Sendestelle der Ausweichführungsstelle des NVR bei Marienwerder, errichtet, ein weiterer war für den Komplex 6000 als Objekt 6006 bei Groß Eichholz geplant, dieser wurde jedoch nie errichtet. Eine einzigartige Besonderheit des Objektes 17/448 waren die 11 abgesetzten Sendestellen in bis zu 25 Km Entfernung. Diese "Sputniks", fernsteuerbare und unbemannte Sendekessel mit eigener NEA und optisch nicht zu ortenden Erdantennen, sollten die Aufklärung des Standortes der Sendestelle durch den Feind extrem erschweren. Zur weiteren Tarnung wurden mehrmals am Tag von dem Sendebunker selbst Wetterdaten gesendet, um seinem Tarnnamen alle Ehre zu machen.

 

Reste der Hochspannungs-Sicherungsanlage (HSA)

Betonhaube über dem Ansaugschacht des Massekühlers mit Wachturm Aufbau

 

Einige Parameter des Schutzbauwerkes:

- Schutzklasse C (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 250 Kg, ABC Schutz)
- Abmaße Zentralbauwerk: 37,5m x 23,4m x 13,6m (L,B,H)
- Stärke Bodenplatte: 1,5 m
- Stärke Aussen- und tragende Wände: 90cm
- Stärke Schutzkern- und Zwischendecke: 60 cm
- Zerschellschicht(ZS) 2,1m, überkragend 7,5 - 18m, zwischen ZS und Schutzkerndecke ein 1,1m hohes Zwischengeschoss, 60cm hoch mit Kies gefüllt
- Umbauter Raum: ca 16000m³

 

17/448 Zentralbauwerk Seitenansicht

 

Auffällig sind diverse meist von oberhalb des Bunkers begehbare Schächte, 3 Kabeleinführungsschächte und ein Zugangsschacht zum Massekühler, über diese 4 Schächte gelangt man ausserdem über Schächte aus Brunnenringen zur Gebäudedrainage. Etwas größer der Wasserversorgungsschacht, ebenfalls nur von aussen begehbar.

Der zweietagige Bunker war ein reines Funktionsbauwerk, der größte Teil der Fläche diente zur Unterbringung der benötigten Sende- und Betriebstechnik. Wiederspiegeln tut sich dies in dem klein gehaltenden Sozialtrakt, eine Speisesaal für 18 Personen, 2 Ruheräume, 1 medizinischer Punkt, einer kleine Küche und ein Sanitärbereich mit 2 Duschen, mehr Raum wurde den Berdürfnissen der Besatzung nicht zugwiesen. Auffällig auch die extrem kleine Entaktivierungsschleuse für ein Bauwerk dieser Größenordnung mit einem maximalen Personendurchsatz von 4 Personen pro Stunde. Die Besatzungszahl lag bei maximal 66 Personen.

 

Blick durch den Schutztambour in den Hauptgang des Obergeschosses

Die beengte Schleuse zur Entaktivierung

 

Im Obergeschoss findet man die Senderäume, die Fernmelderäume und den Funkdispatcherraum, der größte Raum im Bauwerk. Ausserdem die Küche mit Speisesaal, den Sanitärbereich und die Lufttechnischen Anlagen mit den umfangreichen Filteranlagen, interessant hier die mit elektrischen Heizungen ausgestatteten Zu- und Abluftschächte zur Vorbeugung von Schwitzwasser und folgender Schimmelbildung. Im Flur vor dem Funkdispatcherraum befindet sich eine enge Notausstiegsluke, diese führt durch die Aussenwand des Bunkers in einen Anbau, dem Antennenlager, dort gelangt man über eine schwere Druckschutztür schließlich in den Notausstiegsschacht und in die ELT Kabeleinführung. Ausserdem im Obergeschoss der Fernmelderaum, die Gestelle standen auf einem gefederten Boden, um Bauwerksbewegungen bei Druckwellen auszugleichen. Andere Räume wurden über gestelzte Fussböden gesichert.
Ein zentral gelegenes Treppenhaus führt in das Untergeschoss, dort sind die restlichen technischen Anlagen, der Med Punkt und die 2 Ruheräume zu finden.

Zur Technischen Ausstattung gehörten 3 Netzersatzaggregate mit Generatorleistungen von 400 KVA, davon war ein Aggregat als Reserve vorgesehen. Die NEA Frischluftansaugung erfolgte über einen Massekühler, welcher Ansaugtemperturen von bis zu 1200°C auf betriebssichere Temperaturen runterkühlen sollte, dies wurde bei diesem Objekt, einmalig in der DDR, praxisnah getestet, eine brennbare Ölflüssigkeit wurde im Ansaugbereich in Brand gesetzt, die Aggregate liefen in ihrer Sollzeit von einer Stunde problemlos weiter. Dieselkraftstoff wurde in 4 Tanks gelagert, der Kraftstoff reichte für maximal 10 Tage. Eine USV Anlage mit 20 KVA Scheinleistung sicherte den unterbrechungsfreien Sendebetrieb und war für die Notbeleuchtung im Bauwerk zuständig. Die Netzeinspeisung erfolgte vom Landesnetz, Trenntransformatorn sollten für die nötige Netzstabilität und Sicherheit sorgen. Eine Druckluftanlage mit 2 Kompressoren und Druckbehältern sorgte für den nötigen Überdruck im Bauwerk bei vollständiger Hermetisierung, diese konnte maximal 24 Stunden erfolgen.
Weiter findet man einen großen Klimablock zur Klimatisierung des Bauwerkes und die Senderkühlung, die Sender erzeugten eine nicht unerhebliche Abwärme von cirka 60°C, diese musste auf Betriebstemperatur (25°C) heruntergekühlt werden. Frischwassertanks, ein externer Brunnen und ein Tiefbrunnen unter dem Bunker dienten der Wasserversorgung des Bauwerks, welche unbedingt zum Betrieb sicher zu stellen war, da die NEA und die Sender nicht unerhebliche Mengen an Wasser zur Kühlung benötigten. Der Bunker war in 4 Brandabschnitte unterteilt, Brandschutztüren und automatische Brandschutzklappen in den lufttechnischen Anlagen sorgten für die nötige Abschottung bei eventuellen Bränden im Bauwerk.
Sämtliche betriebstechnischen Anlagen wurden vom zentralen Dispatcherraum im Untergeschoss gesteuert.

 

gewaltige Kühlkonvektoren dienten zur Kühlung der NEA Räume

Der Platz des Bauwerksdispatcher im Untergeschoss

 

Zum heutigen Zustand: Nachdem das Bauwerk anfang der neunziger Jahre von der Bundeswehr aufgegeben wurde, gammelte das Bauwerk nur noch vor sich hin, diverse Schrottaktionen und "Bunkerpartys" haben ihre Spuren hinterlassen, die Netzersatzaggregate wurden von einem "Interessenten" fachgerecht ausgebaut. Einige Aussenschächte sind mit Beton verfüllt worden. Die U-Zone diente wie üblich, einige Jahre als Asylantenheim.Trotzalledem findet man im Bauwerk noch immer historisch wertvolle Dokumente und viel der ursprünglichen Technik wieder. Nachdem der Besitzer der dort ansässigen Straußenfarm das Objekt gekauft hat, bemüht dieser sich in Zusammenarbeit mit unter anderem des ehemaligen stellvertretenden Objektkommandanten einer Herrichtung des Schutzbauwerkes für öffendliche Führungen. Herr Kirchner führt dabei sachkundig und mit sehr interessanten Ausführungen durch das Objekt. Derzeit sind unter Voranmeldung Begehungen auf eigene Gefahr möglich.

Wir bedanken uns herzlich bei Erik und Hartmut Weidner, den Inhabern der Rüsterbusch Straußenfarm für die Möglichkeit, das Bauwerk auch bis in den abgelegensten Schacht zu erforschen und abzulichten.

 

 

Auswahl der Medien:

 

Direktlink zur Bildergalerie 1 : Objekt 17/448 Aussenanlagen
Direktlink zur Bildergalerie 2 : Objekt 17/448 Schutzbauwerk
Direktlink zur Bildergalerie 3 : Objekt 17/448 externe Schächte und Sendekessel

 

 

 

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