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Der Zentrale Gefechtsstand der NVA LSK/LV (ZGS-14) bei Fürstenwalde

 

  • I Die Geschichte des ZGS-14 "Fuchsbau"
  • IV Das Teilobjekt 2 und das Verbindungsbauwerk
  • II Die Außenanlagen rund um das Schutzbauwerk
  • V der heutige Zustand
  • III Das Teilobjekt 1
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    Dispatcherzentrale im Altbau (TO-02)

     

    Typ : Gefechtsstand
    Bunkertypen : Monolith, FB-3 KCB
    Etagen : 2 (3)
    Zustand : Museum
    Besichtigungen : www.bunkermuseum-fuchsbau.de

     

     

     

    I Die Geschichte des ZGS-14 "Fuchsbau"

     

    Am Stadtrand von Fürstenwalde, gelegen auf einer Anhöhe inmitten der Rauener Berge, befindet sich der ehemalige Zentrale Gefechtsstand des Kommando Luftstreitkräfte/Luftverteidigung der NVA, bekannt unter der umgangssprachlichen Bezeichnung „Fuchsbau“, der NVA Tarnname lautete "FBZ Raduga". Die wechselvolle Geschichte des Fuchsbaus beginnt bereits zur Zeit des 3. Reichs, Gefangene des KZ Außenlagers Ketschendorf, einer Außenstelle des KZ Sachsenhausen, bauten in einer vorhandenen Kiesgrube eine Bunkeranlage für die Waffen-SS, genauer für das Führungs- und Nachrichtenregiment 500. Der Bau der Anlage erfolgte teilweise durch Nutzung vorhandener Bergbaustollen, da die Rauener Berge bereits im 19. Jahrhundert zur Braunkohlegewinnung genutzt wurden und durch diesen Umstand von alten Bergbaustollen durchzogen waren und sind. Es entstanden somit in größtenteils offener Bauweise, teils durch die Nutzung der erwähnten Altstollen 3 parallele und untereinander verbundene Bunkerröhren, welche bis zum Kriegsende aber nicht ganz fertig gestellt wurden.

    Nach Kriegsende erfolgten durch die Direktive NR. 22 des alliierten Kontrollrates mäßig erfolgreiche Sprengversuche der roten Armee, die unfertige Bunkeranlage diente der umliegenden Bevölkerung danach als Materialspender und den Kindern als Abenteuerspielplatz. 1952 erfolgten erste Erkundungen der Anlage durch die Hauptverwaltung Ausbildung des MdI (HVA, nicht zu verwechseln mit der Hauptverwaltung Aufklärung des MfS), weitere Erkundungen durch die NVA erfolgten 1956-1959. Zu dieser Zeit wurde der Fuchsbau noch mit dem Tarnnamen „SPINNE“ bezeichnet.

    Ab 1960 dann wurde die Anlage unter der Federführung des Ministerium für Post –und Fernmeldewesen komplett freigelegt, die 3 Hauptstollen verlängert und am Ende dieser Verlängerungen ein Querstollen als Verbinder hinzugefügt. Am Hauptzugang des Stollensystems wurde außerdem ein 2-etagiges Kopfbauwerk errichtet. Es erfolgte zunächst eine Nutzung durch die Post als Übertragungsstelle, außerdem wurde die Warn –und Alarmzentrale (WAZ) des DDR Luftschutzes im Bauwerk eingerichtet, welche ab 1971 in der Lage war, alle 11 000 in der DDR vorhandenen Sirenen auszulösen. Ab 1962 erfolgte die Nutzung des Bauwerkes durch die NVA LSK/LV als zentraler Wechselgefechtsstand (ZWGS-14). Von 1975 bis 1977 erfolgte schließlich die Errichtung eines zweiten, zweietagigen Bunkers, welcher mit dem Altbaustollensystem über einen Verbindungsgang verbunden wurde. Nachfolgend wurden beide Bauwerke als Teilobjekte- TO-01 und TO-02 bezeichnet, wobei der Neubaubunker das TO-01 darstellte. Der gesamte Komplex beherbergte nun unter anderem den zentralen Gefechtsstand der NVA LSK/LV (ZGS-14) im Neubau (ab 1978), im Altbau waren die zentrale Flugwetterwarte ZFWW der LSK/LV, die Übertragungsstelle 2 Fürstenwalde der Deutschen Post und die bereits erwähnte Warn -und Alarmzentrale des DDR Luftschutzes untergebracht. Im Prinzip handelt es sich bei dem gesamten Bauwerk also um einen Bunkerkomplex aus 2 Bauwerken mit einer Gesamtfläche von über 9000 m², die sich aber aus technischer Sicht teilweise die Medien (wie beispielsweise die Netzersatzanlage) teilten. Größentechnisch ist das Gesamtbauwerk das drittgrößte Schutzbauwerk in Brandenburg, nach dem Seewerk Falkenhagen und der Nachrichtenzentrale RANET der GSSD (ehemaliges Amt500 der Wehrmacht) in Wünsdorf. Organisatorisch war der Bunker zu der Zeit als ZGS-14 in 10 Gefechtsabschnitte (GA) unterteilt. 1990 Übernahm dann schließlich die Bundeswehr den "Fuchsbau" und betrieb ihn bis 1995 als Gefechtsstand des Luftverteidigungssektors 5, danach erfolgte die Versiegelung der Anlage.

     

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    II Die Außenanlagen rund um das Schutzbauwerk

     

    der gut erhaltene KCB Turm

    Lasteneingang am Altbau

     

     

    Wie bereits erwähnt, liegt das Objekt in den Rauenschen Bergen nahe der Stadt Fürstenwalde. Umgeben von einer HSA, befanden sich neben dem eigentlichen Bauwerkskomplex weitere Bauwerke wie ein Heizhaus, ein Werkstattgebäude, ein Wasserwerksgebäude und eine Kantine auf dem Gelände. In östlicher Richtung vom Schutzbauwerk findet man außerdem noch heute einen gut erhaltenen KCB Bunker, wie er auch in Prenden errichtet wurde, vor. Auf dem Neubaubunker TO-01 befinden sich außerdem eine Halle zur Tarnung des Montageschachtes und das Zugangsbauwerk. Direkt gegenüber dem Kopfbauwerk, welches den Zugang zum Altbau TO-02 beinhaltet, findet man ein Schleppdach vor, unter dem sich mehrere mobile Netzersatzanlagen vom Typ Turbolekt befanden, welche die Notstromversorgung des Außengeländes sicherstellten. Auch die Trafostation befand sich außerhalb des Schutzbauwerkes auf dem Gelände innerhalb der HSA.

     

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    III Das Teilobjekt 1 (TO-01)

     

    der zentrale Lagesaal

    Hauptzugang, es folgt die Schleuse

     

    Das Teilobjekt 1 zeigt in seiner Bauausführung ein sehr ähnliches Bild wie die anderen, besser geschützten Führungsstellen des Kdo. LSK/LV der NVA wie beispielsweise dem GS-41 Ladeburg oder dem gGS-8/61 Müncheberg: Um den knapp 9m hohen zentralen Lagesaal, welcher sich über die gesamte Bauwerkshöhe erstreckt und in dem die Luftlage über der DDR mittels Projektoren dargestellt wurde, befinden sich auf 2 Etagen Ringflure, verbunden über 2 gegenüberliegende Treppenhäuser, von denen sämtliche weiteren Räume abzweigen, so dass sich ein rechteckiger Grundriss des Bauwerks ergibt. Auch die Raumaufteilung ähnelt stark anderen DDR Schutzbauwerken, im Obergeschoss befinden sich Räumlichkeiten und Einrichtungen wie die Lufttechnischen Anlagen mit den umfangreichen Filteranlagen, Arbeitsräume und die Räume für das automatische Führungssystem ALMAS 2, welches in diesem Bauwerk seinen Platz hatte, weiter die Sozialräume wie Küche und Aufenthaltsraum. Außerdem befindet sich hier auch die umfangreiche Schleuse des Bunkers.

    Im Untergeschoss platziert sind dann hauptsächlich die technischen Einrichtungen des Bauwerks wie die Netzersatzanlage, die USV Anlage mit UGP (Spannungsumrichter nach Generatorprinzip), Die NSHV vom Typ ISA 2000, der Dispatcherraum und die EDV Räume. Auch erfolgte hier der Anschluss zum Altbau TO-02 über das Verbindungsbauwerk.
    Im Bereich des Führungssaales befindet sich ein 3-etagiger Ausbau, weshalb oftmals von einem 3-etagigem Bunker gesprochen wird. Ein Notausstiegsschacht grenzt an der östlichen Seite des Kernbauwerkes und führt über beide Etagen nach außen auf die Bauwerksdecke.

    Über die genauen Parameter des Neubaus findet man nur schwer genaue Angaben, teilweise widersprechen sich unterschiedliche Quellen, so ist über die Deckenkonstruktion (Zerschellschicht, Überkragung, usw.) beispielsweise wenig bekannt. Trotzdem hier einige Daten zum Neubau TO-01:

    - Investitionsvorhaben 16/201
    - Schutzklasse C (Schutz vor betonbrechenden Bomben bis 500 Kg, Druckfestigkeit 5 Kp/cm², ABC Schutz)
    - Abmaße Zentralbauwerk: 43,85 x 37,2m (L,B)
    - Stärke Bodenplatte: 3 m
    - Nutzfläche: 3125 m²
    - Energieversorgung über externe Transformatoren
    - Netzersatzanlage: 4x 400 KVA, vermutlich Dieselmotore 6VD 18/15 AL-1 SRW, Automatikbetrieb über ADS
    - 2 Tanks für Dieselkraftstoff, Fassungsvermögen gesamt 40m³
    - USV Anlage
    - thermokatalytische Filter
    - 3 Klimablöcke
    - Maximale Hermetisierungszeit (BW III): 24 Stunden, Gefechtszeit 20 Tage
    - Besatzung: normal 65-70 Personen pro Schicht, maximal 200 Personen

     

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    IV Das Teilobjekt 2 und das Verbindungsbauwerk

     

    Raum für Batterieanlage im Altbau

    Klimablock im Altbau

     

    Wie schon oben angeführt, handelt es sich bei dem Altbau im Prinzip um 3 parallele Stahlbetonröhren, die untereinander mehrfach via Querstollen verbunden sind. Das gesamte Bauwerk belegt etwa eine Fläche von 85 x 33m, der Zugangsstollen vom Kopfbauwerk aus ist etwa 60m lang und beinhaltet ebenfalls ein kleine Schleuse. Weiter befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Zugangstunnels ein Notausstieg, welcher bis heute in seiner ursprünglichen Form seit der Errichtung des Bauwerks zur Zeit des 3. Reiches erhalten ist. Ein weiterer Zugang, der ehemalige Lastenzugang, wurde zu Zeiten der Nutzung durch die NVA LSK/LV als Schlafraum genutzt und bekam dadurch den Spitznamen "Stinkefinger". Der Altbau verfügte über eine eigene, heute noch gut erhaltene Dispatcherzentrale, einen Klimablock mit Filteranlagen, eine USV Anlage und ein Wasserwerk. Die später angebaute ÜSt besaß eine eigene NSHV.

    Die Verbindung beider Bunker erfolgte über das nicht hermetisierbare Verbindungsbauwerk, die Versorgungsleitungen zwischen beiden Schutzbauwerken verliefen ebenfalls durch den Verbinder und besaßen flexible Anschlüsse jeweils zu eben diesen. Weiter befand sich hier auch der Nachrichtenkabeleinführungsschacht und einige Werkstatträume. Das Verbindungsbauwerk besitzt ein leichtes Gefälle vom Neubau zum Altbau, da letzterer etwas tiefer liegt als der Neubaubunker.

     

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    V der heutige Zustand

     

    Schäden durch den Verschluss in der ÜSt

    flexibler Medienübergang im Verbindungsbauwerk

     

    Nach dem Abzug der Bundeswehr wurde der gesamte Bunkerkomplex zunächst mehr oder weniger fachmännisch durch Verfüllen aller Öffnungen nach außen verschlossen. Danach war es 10 Jahre still um den Bunker "Fuchsbau", bis 2005 schließlich der BBN e.V. das Bauwerk öffnete. Ab diesem Zeitpunkt fanden auch wieder Führungen im Bunker statt. 2009 verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das Gelände schließlich an einen Privatmann.
    Zwischen 2010 und 2011 fanden erst einmal keine Führungen mehr statt. Der neue Eigentümer ermöglicht seit Mai 2011 und mit Hilfe von ehemaligen Technikern des Fuchsbaus nun wieder äußerst fachkundige Führungen. Seit diesem Zeitpunkt haben die ehemaligen es geschafft, vieles im Bunkerkomplex wieder instand zu setzen, ein Besuch der Anlage kann von uns bedenkenlos empfohlen werden. Preise und Öffnungzeiten sind dem oben genannten Link zu entnehmen. Wir bedanken uns bei Herrn
    Hans-Joachim Pötzsch für die äußerst fachkompetente Führung und der Erlaubnis, das Bauwerk anschließend ausgiebig zu erkunden und zu fotografieren.

     

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    Quellen:

    Bergner, Paul: Programm Delphin
    H.W. Deim, H.G. Kampe, J. Kampe, W. Schubert: Die militärische Sicherheit der DDR im kalten Krieg

    http://www.bunkeranlage-fuchsbau.de
    http://www.zgs14.de
    http://www.nva-fuchsbau.privat.t-online.de

     

     

    Auswahl der Bildergalerien:

     

    Direktlink zur Bildergalerie 1 : "Fuchsbau" - ZGS-14 des Kdo LSK/LV - Aussenanlagen
    Direktlink zur Bildergalerie 2 : "Fuchsbau" - ZGS-14 des Kdo LSK/LV - Altbau
    Direktlink zur Bildergalerie 3 : "Fuchsbau" - ZGS-14 des Kdo LSK/LV - Neubau

     

     

     

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