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1/15 V2x - die Fertigteilbunker Typenbauten des Ministerium für Staatssicherheit

 

  • Informationen zur Architektur
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  • Schutzeigenschaften
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  • Technische Ausstattung
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  • Ausführungsvarianten: - Typenbau 1/15 V2(a)

     

                                             - Typenbau 1/15 V2b

     

                                             - Typenbau 1/15 V2c

     

                                             - Typenbau 1/15 V2u/V2c-u

     

                                             - Typenbau 1/15(Vx)
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    Das MfS begann ab 1968 in Eigenregie mit der Errichtung verbunkerter Ausweichführungsstellen für die jeweiligen Bezirksverwaltungen und Hauptabteilungen.
    Errichtet wurden Fertigteilbunker des immer gleichen Typs 1/15 (Vx) bzw doppelte Ausführungen mit der Bezeichnung 1/15 V2x, wobei für das x die Buchstaben a, b, c und u eingesetzt werden müssen, je nachdem, welche Variante gebaut wurde. Auf die einzelnen Varianten wird weiter unten noch näher eingegangen. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wurde dieser Typenbau mindestens 28 mal errichtet, es besteht allerdings durchaus die Möglichkeit, dass weitere noch unbekannte Anlagen existieren, da durchaus jede Hauptabteilung einen solchen Bunker besessen haben könnte, diese Anlagen aber gleich nach der Wende versiegelt und vergessen wurden.

    Noch etwas zu den Bezeichnungen: Ein genaues Schema dahinter ist nicht auszumachen, 1/15 scheint für die Baureihe zu stehen, das V wird aufgeführt bei allen doppelten Ausführungen, aber auch bei einigen halben Bunkern wie z.B. der Anlage in Hoppegarten. Die 2 steht definitiv für doppelte Anlagen. Die Kürzel a, b, c und u bzw c-u scheinen so etwas wie Versionsbezeichnungen zu sein, oftmals wird auch spekuliert, die Buchstaben stünden für die Ausführung der Schleuse, dem wiederspricht jedoch, dass sich auch der Kernbereich mit den jeweiligen Buchstaben leicht ändert, was ehr für eine Evolutionsbezeichnung spricht. Denn sicherlich wurden bei fortschreitender Anzahl der errichteten Anlagen auch Erkenntnisse zur Optimierung der Typenreihe gewonnen.

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    Informationen zur Architektur

     

    Eine Anlage der größten Ausführung V2c bzw V2u besaß die Aussenmaße von etwa 38 x 35m, eine Bruttofläche von 1290m² und eine hermatisierbare Fläche ("sauberer Bereich") von etwa 590m². Maximal 135 Personen hätten nach Auslegung darin Platz gefunden, die Atemluftmenge pro Person wurde mit 8m³/h ausgelegt.

    Typisch für diese Anlagen waren die schlauchartigen Räume oder besser gesagt,"Stollen". Je nach Ausführung besaßen die Anlagen 7 bzw 8 dieser Stollen pro Hälfte, diese waren parallel angeordnet und durch einen Hauptgang miteinander verbunden. Ein weiterer Stollen diente der Zuluftführung und je ein weiterer nahm den Sanitärtrakt auf, spätere Ausführungen besaßen zusätzlich einen Werkstatt/Wasserversorgungsstollen.
    Die Stollen beherbergten Ruheräume, die Arbeitsräume, Fernmelderäume, einen medizinischen Punkt und eine Küche mit Essmöglichkeit. Ab der Ausführung V2b wurden im rechten Flügel ausserdem 2 Stollen längsseits zu einem Lageraum verbunden.
    An den letzten Stollen, üblicherweise der Sanitärbereich, schlossen sich die Notausstiege der Anlagen an, auch die Zuluftschächte und bis zur Ausführung V2b die Zuluftschächte der NEA Räume konnten nach dem herunterfallen lassen des Kies der Druckwellendämpfer als Notausgänge genutzt werden.
    Verbaut wurden je nach Anlage auch unterschiedliche Fertigteile, so dass die Raummaße leicht variieren:

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    Fertigteile im Typ V2(a)

    Fertigteile im Typ V2b

    Fertigteile im Typ V2c/V2u

     

    Schutzeigenschaften

     

    Die Schutzklasse des Bunkertyps betrug D auf der Skala von S über A-F, "Atombombensicher", wie oftmals behauptet wird, waren diese Anlagen also keinesfalls, eine Kernwaffendetonation in minimal 800m Entfernung mit einer maximalen Sprengkraft von 100kT TNT Äquivalent wären das äußerste gewesen, was dieser Typenbau ausgehalten hätte. Der Schutz vor atomarer, biologischer oder chemischer Verseuchung wäre jedoch gegeben gewesen, dafür sorgten eine Überdruckhaltung im Inneren des Bauwerks und mehrstufige Filterstrecken in der Zuluftansaugung, welche auch durch Schnellschlussklappen (schließen bei Druckwellen automatisch) und einem Kies-Druckwellendämpfer geschützt wurde. Die Anlagen besaßen einen Wasservorrat von 3000l sowie 5000l Kraftstoffreserve (je 2500l pro Bunkerhälfte) für die Notstromversorgung. Die Bevorratung hätte für maximal 14 Tage im autonomen Betrieb gereicht. Eine vollständige Hermetisierung hätte maximal 12 Stunden je Bunkerhälfte andauern können. Überdruck wurde dann über Druckluftflaschen gehalten, die chemischen Luftregeneriervorrichtungen sowjetischer Bauart (RDU) hätten nach Aktivierung in einer thermischen Reaktion das Kohlendioxid gebunden und Sauerstoff freigesetzt.

    Personen konnten über ein Schleusensystem, bestehend aus Vor- und Hauptschleuse, eingeschleust und dekontaminiert werden, für verseuchte Personen hätte es jedoch kein "Auffanglager" gegeben, somit wäre es diesen Personen verboten gewesen, das Schutzbauwerk zu betreten.

    Der Hauptschutz der Bunkeranlagen war allerdings auch die gute Tarnung, üblicherweise waren sie unter Ferienanlagen, Gärtnereien oder anderen Tarnobjekten versteckt, die Zugänge oftmals mit Tarnbungalows überbaut und selbst ein Grill konnte schonmal als Tarnung für die Abgasführung der Diesel Aggregate dienen. Schon die Errichtung erfolgte unter strengster Geheimhaltung, es wurde beispielsweise angeordnet, dass kein Arbeiter jemals den Gesamtplan der Anlage zu Gesicht bekommen sollte. Die Kosten zur Errichtung einer solchen Anlage lagen für die doppelten Ausführungen bei etwa 4 Millionen Mark.

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    Technische Ausstattung

     

    Die elektrische Anschlussleistung eines V2c/u betrug etwas 100KVA, gespeist aus dem normalen Ortsnetz über eine Ringeinspeisung.
    Je nach Ausführung besaß eine Bunkerhälfte entweder 2 oder 3 Notstromaggregate mit Scheinleistungen von 7,5 bzw 15 KVA, eine doppelte Ausführung des Typs V2c bzw u besaß also eine Netzersatzanlage mit 6 Aggregaten von zusammen 90 KVA Scheinleistung, diese Aggregate liefen bei Netzausfall automatisch an.Verwendet wurden 1 und 2-Zylinder Motoren, üblicherweise Mähdrescher oder Junkers-Gegenkolbenmotore. Zur Überbrückung der Anlaufzeit besaßen die Fernmeldeanlagen und die Notbeleuchtung ausserdem kleine USV Anlagen.

    Die Frischluftversorgung für die Aggregate erfolgte über Kies-Druckwellendämpfer, in früheren Ausführungen führte dabei die Abluft durch einen Schacht aus Brunnenringen, der bei Bedarf auch als Notausgang fungiert hätte, ab Ausführung c dann über unzugängliche Ansaug bzw Abluftschächte.
    Das Schutzbauwerk besaß zur Wasserversorgung einen Tiefbrunnen von etwa 40m Tiefe, ein Vorratsbehälter nahm 3000l auf. Auch eine Wasseraufbereitung war vorhanden.
    Die lufttechnischen Anlagen bestanden aus einer Filterstrecke mit mehreren Stufen, unter anderem Grobfilter, Aktivkohle Filter und Filter für radioaktive Stäube. Vermutlich gab es auch eine Wäscher Anlage zum Schutz vor biologischen und chemischen Kampfstoffen. Die Lüfter konnten bei totalem Ausfall der Spannungsversorgung sogar per Handkurbel bzw über ein Fahrradgestell betrieben werden. Ein Heizregister sorgte für die nötige Wärme im Bauwerk, eine Kälteerzeugung um beispielsweise im Umluftbetrieb zu entfeuchten, war nicht vorhanden. Die Abluft wurde nur passiv, das heißt, ohne Lüfter realisiert, sowohl im Schleusenbereich als auch über den Notausgängen befanden sich Öffnungen, welche durch Schnellschlussklappen geschützt wurden. Ausserdem befanden sich in den Notausstiegen KDWD, die über ein Gestänge bei Notfällen herunter gelassen werden konnten, eine nicht ungefährliche Sache, da der Kies direkt in den Notausstiegschacht gefallen wäre.

    1 oder 2 Arbeitsstollen beherbergten üblicherweise die Fernmeldetechnischen Anlagen und Funktechnik, wobei letztere im Normalfall nur dem Empfang diente, gesendet wurde zu Tarnungszwecken von einer abgesetzten Sendestelle in 3-5km Entfernung.
    Türen und Luken besaßen meist Türkontakte, die dem Bunkerkommandanten am Dispatcherpult genau anzeigten, wo sich welche Tür gerade öffnete. Von dort aus wurde auch die restliche Technik gesteuert.
    Die einzelnen Ausführungen des Typenbaus unterscheiden sich hauptsächlich im Schleusenbereich, aber auch der Kernbereich wurde im Laufe der Zeit modifiziert, wie die folgende Übersicht zeigt.
    Zu beachten ist, das hier nur die Grundvarianten gezeigt werden, viele Anlagen wurden dem umliegenden Gelände angepasst oder besaßen andere zum Teil bemerkenswerte Modifikationen.

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    Ausführungsvarianten

     

    Typenbau 1/15 V2(a)

     

    Der erste "Doppelbunker" der Baureihe, man findet sowohl die Bezeichnung 1/15 V2 als auch 1/15 V2a. Im Prinzip ein 1/15 gespiegelt und über 2 Drucktüren miteinander verbunden. Der Prototyp der HA PS Wandlitz besitzt noch einige Abweichungen zu den später gebauten Anlagen des Typs, die Zuluftstollen liegen "auf dem Kopf" und besitzen eine Filterstufe weniger. Die beiden NEA Räume mit je 2 Aggregaten besitzen ausserdem noch separate Zugänge und zwischen beiden Bunkerhälften existiert nur eine Verbindungstür. Auch der Wasserversorgungsbereich mit Brunnen ist etwas anders ausgeführt. Ungünstig ist die Zugänglichkeit der NEAs beim V2a, sollte die linke Hälfte des Bunkers unzugänglich werden, besteht keine Möglichkeit mehr, Zugang zu den Aggregaten zu erlangen.

    Bekannte Anlagen in Brandenburg:

    - Stabsbunker der Hauptabteilung Personenschutz Wandlitz in der Waldsiedlung

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    Plan des Prototyp Typenbau V2(a):

     

    Plan des Typenbau V2(a):

     

    Typenbau 1/15 V2b

     

    Der V2b ist im Prinzip eine abgewandelte Form des V2a, beide Flügel wurden um je einen Stollen erweitert, um die Wasserversorgung in das innere des Bunkers zu legen, vermutlich aus geometrischen Gründen, diese befindet sich nun unter dem linken Sanitärstollen. Der rechte zusätzliche Raum wurde meist als Werkstatt genutzt.
    Im Schleusenbereich gibt es abgehend von der Vorschleuse noch jeweils einen zusätzlichen Lagerraum. Auch besitzt diese Ausführung erstmalig den aus 2 Arbeitsstollen zusammengefügten Lageraum.

    Bekannte Anlagen in Brandenburg:

    - Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Potsdam
    - Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Cottbus

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    Plan des Typenbau V2b:

     

    Typenbau 1/15 V2c

     

    Während der Kernbereich identisch mit dem der Ausführung V2b ist, wurde beim V2c der Schleusenbereich komplett neu gestaltet. Jede Bunkerhälfte besitzt nun einen eigenen NEA Raum mit je 3 Aggregate, die Frischluftansaugung und Abluft für die NEAs wird über unzugängliche und, entsprechend der gestiegenen Leistung der Aggregate, größere KDWD angesaugt bzw abgeführt. Auch besitzt jeder NEA Raum einen eigenen Kraftstofftank zwischen den KDWD.

    Bekannte Anlagen in Brandenburg:

    - Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Berlin
    - Reserve-Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder
    - Familienbunker Wandlitz Waldsiedlung
    - Ausweichführungsstelle der Hauptverwaltung Aufklärung in Gosen (unzugänglich)

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    Plan des Typenbau V2c:

     

    Typenbau 1/15 V2u/V2c-u

     

    Man findet die wahrscheinlich modernste Ausführung der Typenserie sowohl als V2u, als auch auf den Originalplänen der Anlage Frauenwald in Thüringen als V2c-u bezeichnet.
    Im Schleusenbereich hat sich bei dieser Variante im Gegensatz zum V2c nur die Hauptschleuse geändert, diese ist nun noch einmal 3-stufig aufgebaut und beide Hauptschleusen besitzen eine Verbindungstür zueinander.
    Der Kernbereich wurde ausserdem noch etwas optimiert, der Wasserversorgungsbereich ist in den Zugang zum linken Zuluftstollen gewandert, so das effizient ein Raumstollen mehr zur Verfügung steht. Dadurch sind nun auch beide Zuluftstollen völlig symetrisch aufgebaut.

    Bekannte Anlagen in Brandenburg:

    - V2x Rohbau Storkow

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    Plan des Typenbau V2u/V2c-u:

     

    Typenbau 1/15(Vx)

     

    Neben den doppelten Ausführungen der 1/15 V2x Serie wurden auch halbe Varianten der Fertigteilbauten errichtet. Man findet sie unter der Grundbezeichnung 1/15, jedoch scheint es auch hier verschiedene Typen gegeben zu haben, da sie in unterschiedlichsten Variationen errichtet wurden. So ist die Ausweichführungsstelle der Hauptabteilung VIII in Hoppegarten laut Original Grundplänen als ein 1/15 Vc5 bezeichnet, was durchaus Sinn machen würde, die Anlage ist aufgebaut wie ein halber V2c und wurde auch aus Fertigteilen, wie sie bei einem V2c zu finden sind, errichtet. Weiter unten deshalb einmal 3 verschiedene Grundrisstypen errichteter Anlagen diesen Typs.

    Bekannte Anlagen in Brandenburg:

    - Ausweichführungsstelle der Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder
    - Teilobjekt 1 im Wachregiment Feliks E. Dzierzynski Kommando 3 bei Massow (Ausweichführungsstelle)
    - Ausweichführungsstelle der Hauptabteilung VIII Hoppegarten (unzugänglich)

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    Plan des Typenbau 1/15 Variante 1:

     

    Plan des Typenbau 1/15 Variante 2:

     

    Plan des Typenbau 1/15 Variante 3 (1/15 Vc5):