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Objekt RD 85, geplante Ausweichführungsstelle der Verwaltung Rückwärtige Dienste

 

Das Legendierungsobjekt "MZO Waldlager"

"geschützte" Kegelbahn im Mehrzweckgebäude TO 8

 

Typ : Ausweichführungsstelle/Lagerbunker
Bunkertyp : 1/15/V2c
Etagen : 1

 

Inhalt:

 

  • 1. Objektbeschreibung
  • 2. Konzeption
  • 3. Daten des geplanten Schutzbauwerkes
  • 4. Baugeschichte
  • 5. Heutiger Zustand
  • 6. Quellen, Fotogalerie, 3D Modelle der Bauwerke
  •  

     

    1. Objektbeschreibung

     

    Südöstlich Berlins befindet sich wohl eines der interessantesten Schutzbauprojekte des Ministerium für Staatssicherheit: ein Bunker, der sich auf dem ersten Blick im Zustand eines Rohbaus befindet.

    Das zu diesem Schutzbauwerk gehörende Objekt präsentiert sich zunächst unspektakulär. Idyllisch an einem See gelegen, findet man ein nicht ganz fertig gestelltes Ferienobjekt aus Zeiten der DDR vor. Neben einem Heizhaus mit Garagenanbau erblickt man zwei größere, fertig gestellte Gästehäuser und weitere zwei im Rohbauzustand. Zentral gelegen, ein Mehrzweckgebäude mit Küche, Speisesaal und diversen weiteren Räumen. Interessant ist der Keller des Gebäudes, man erkennt eine Erdanschüttung an den Kellerwänden, einen Kriechgang als Notausstieg und mittels gasdichten Luken gesicherte Kellerfenster. Im Inneren des Kellers ein großer Raum, der wohl einmal eine Kegelbahn aufnehmen sollte und auch in einen Schutzraum umgewandelt werden konnte. Für DDR-Verhältnisse gehobener Standard vor allem bei dem Mehrzweckgebäude: Geplant war unter anderem eine Sauna1 und Klimageräte für die Räumlichkeiten. Ein Aufzug ist bereits montiert, ebenso eine Fußbodenheizung.

    Hinter dem Mehrzweckgebäude befindet sich eine unscheinbare Leichtbaugarage vom Typ G-18, einem Wiederverwendungsprojekt des VEB ZEKB. Im Inneren eine aus Mauerwerk bestehende "Haus in Haus" Konstruktion im südlichen Teil. Betritt man diese, gelangt man an das Mundloch eines 65 m langen Zugangstunnels, bestehend aus 20/V Rahmenelementen, wie man sie eventuell vom Bunkertyp 1/15/V2 her kennt. Dieser Tunnel mündet in die rechte Hälfte eines Verbindungsganges eben diesen Bunkertyps. Eine Zugangstreppe auf der rechten Seite des Verbindungsganges ist nicht vorhanden, auf der linken Seite dagegen führt eine solche durch zwei gasdichte Drucktüren hinauf auf das Gelände hinter der Leichtbaugarage.

     

    Leichtbaugarage Typ G-18 als Tarnbauwerk

    Außenzugang des Schutzbauwerkes

     

    Der Bunker selbst scheint auf den ersten Blick ein Rohbau des genannten Wiedererwendungsprojektes zu sein. Auffällig: Eine rudimentäre Beleuchtungsinstallation ist bereits vorhanden. Der linke Flügel scheint ansonsten dem üblichen Typenbau in seiner aktuellsten Version und einem bestimmten Baufortschritt zu entsprechen. Die Tankanlage der Netzersatzanlagen ist hier bereits installiert, ebenso die zwei Wasservorratsbehälter im Gang 8. Alle gasdichten Türen und Drucktüren sind bereits eingebaut. Vor dem Sanitärgang (Gang 10) ist ein Heizgebläse und ein Bauverteiler zu finden.
    Der rechte Flügel weist dagegen einige Merkwürdigkeiten auf. Die 20/V Rahmenelemente scheinen hier nicht mehr besonders sorgfältig aufgestellt worden zu sein. Eine Zugangstür in die Vorschleuse, die Wände des Tanklagers und die Wand zwischen NEA Stollen und Gang 20 existieren nicht, so dass man geradewegs in den eigentlichen Schutzkernbereich des Bauwerkes spazieren kann. Die fehlenden Wände wurden durch die bei diesem Bunkertyp üblicherweise für die Hauptgänge verwendeten Stahlrahmenkonstruktionen aus U-Trägern ersetzt. Mit dem bloßen Auge nicht erkennbar aber messtechnisch ermittelbar: Die Raumstollen auf dieser Seite sind entgegen dem Projekt nur 13,3 m statt der üblichen 14,03 m lang. Es fehlt pro Stollen ein 20/V Rahmenelement.

    Außerhalb des Bunkers sind diverse senkrechte Schächte, ebenfalls aus Typ 20 und 20/V Rahmenelementen gebaut, zu sehen. Sie markieren jeweils die Druckwellendämpfer für die NEA Zu- und Abluft und die Tankanlagen. Zwei weitere Schächte, vor dem Verbindungsgang liegend, führen in die geplante Schmutzwasserhebeanlage. An der "Spitze" des Bauwerkes, dort, wo üblicherweise der Abwasserschacht des Typenprojektes gesetzt wurde, findet man einen Schacht, baugleich den Notausgängen, der in einen nur 1,20 m langen Stollenstumpf endet (geplanter Antennenschacht). Ein weiterer Zugang, baugleich dem linken Zugang des Hauptbauwerkes, führt in einen Kabeleinführungsstollen, der am linken Zuluft-Stollen endet.

     

     

    Grundriss des vorhandenen Schutzbauwerkes

     

     

    2. Konzeption

     

    Deckblatt der Konzeption2

    Fundamentplatte des Schutzbauwerkes3

     

    Bei dem hier beschriebenen, unfertigen Objekt handelt es sich um die letzte, vom MfS geplante Ausweichführungsstelle der zentralen Diensteinheiten und Bezirksverwaltungen - der angedachten Ausweichführungsstelle für den Leiter der Verwaltung Rückwärtige Dienste (VRD) und seinen Mitarbeitern. Das Schutzbauwerksprojekt ist die 27. und gleichzeitig modernste Ausführung des Wiederverwendungsprojektes 1/15. Die Konzeption zu diesem Vorhaben begann bereits 19812. Die Arbeitsgruppe des Leiters (AGL) der VRD und die für das Spezialbauwesen beim MfS zuständige Arbeitsgruppe des Ministers, Abteilung Spezialbau (AGM/B) arbeiteten diese Konzeption gemeinsam aus. Als Legendierung diente zunächst die Bezeichnung "Mehrzweckobjekt" beziehungsweise "MZO", später dann die Bezeichnung "MZO Waldlager". Das Schutzbauwerk erhielt zunächst die Projektbezeichnung "M 83", später dann die Bezeichnung des Gesamtvorhabens: "RD 85". Das Gelände musste zunächst vom MfS erworben werden, hier befand sich vorher nur Wald.
    Die geschätzten Baukosten beliefen sich auf 13 Million Mark, davon 8 Million Mark für das Schutzbauwerk.

     

    65 m langer Zugangstunnel in das Schutzbauwerk

    Verbindungsgang der linken Bunkerhälfte

     

    Das Vorhaben wurde in 3 Etappen aufgeteilt2:

    1981 - 1983: Erwerb des Geländes, Vermessung, Einfriedung, Projektierung der Legendierungsbauten durch den VEB Spezialbau Potsdam, Erschließung des Geländes (Elektro, Abwasser), Errichten eines Schalthauses vom Typ SH-3-100 im Rohbau durch den VEB SHB.

    1983 - 1984: Errichten der Legendierungsbauten, Baustelleneinrichtung für das geplante Schutzbauwerk

    1985 - 1987: Bau des Schutzbauwerkes, Ausbildung des Wartungs- und Instandsetzungsdienstes.

     

    Planung zur Tarnung der Baumaßnahmen2

     

    Folgende Teilobjekte gehörten zum Bauvorhaben des Legendierungsobjektes "MZO Waldlager"1:

    TO 1: Wachgebäude
    TO 2: 2 Wohnhäuser
    TO 3: Technikgebäude
    TO 4: Gebäudeteil TO 3: Heizhaus
    TO 5: Gebäudeteil TO 3: Garage
    TO 6: Bungalow 6 Einheiten
    TO 7: Bungalow 8 Einheiten
    TO 8 Mehrzweckgebäude
    TO 9: Gebäudeteil TO 8: Küche
    TO 10: Gebäudeteil TO 8: Mehrzweckgebäude und Verbinder
    TO 11: Straße außen
    TO 12: Straße innen
    TO 13: Bewässerung außen
    TO 14: Bewässerung innen
    TO 15: Entwässerung außen
    TO 16: Entwässerung innen
    TO 17: Heizkanäle
    TO 18: NS-Erschließung und Außenbeleuchtung

    Das gesamte Vorhaben verzögerte sich allerdings um 2 Jahre, der Bau des Legendierungsobjektes startete 1985, der Bau des Bunkers erst 1987. Die technischen Daten des Bauwerkes sind im folgenden Abschnitt zu finden.

     

     


    Inhaltsverzeichnis

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    Bunker

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