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Die Unterwelten der Waldsiedlung

Die Schutzbauwerke des Ministerium für Staatssicherheit in der Wohnsiedlung der führenden DDR Repräsentanten bei Wandlitz

 

Ortseingangsschild der Waldsiedlung

ehemalige Haupteinfahrt zum Innenring mit Wachgebäude

 

 

Inhalt:

 

  • 1. Einführung und historischer Kontext
  • 2. Die Planung der Schutzbauwerke in der Waldsiedlung
  • 3. Das Schutzbauwerk I: Das Objekt "OGK"
             (Der "Stabsbunker")
  •     3.1 Aufbau und technische Daten des Schutzbauwerkes
  •     3.2 Baugeschichte und Nutzung
  • 4. Das Schutzbauwerk II: Das Objekt "SKP" (Der "Familienbunker")
  •     4.1 Aufbau und technische Daten des Schutzbauwerkes
  •     4.2 Baugeschichte und Nutzung
  • 5. Rekonstruktionspläne für die Objekte "OGK" und "SKP"
  • 6. Das Nachrichten Dienstgebäude der Abteilung Nachrichten (HNZ-103) und die Munitionsbunker
  • 7. Heutiger Zustand der Bunkeranlagen und Schlussbetrachtung
  • 8. Quellen, Fotogalerie, 3D Modelle der Bauwerke
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    1. Einführung und historischer Kontext

     

    Über die ehemalige Wohnsiedlung der führenden DDR Repräsentanten, heute zugehörig zur Stadt Bernau, umgangssprachlich meist als "Wandlitz", "Waldsiedlung Wandlitz" oder einfach "Waldsiedlung" genannt, wurden seit dem Mauerfall bereits viele Publikationen veröffentlicht. Herausragend sei hier Paul Bergners Buch "Die Waldsiedlung - Ein Sachbuch über Wandlitz"1 genannt, in dem der Autor bereits umfangreich über den Bau und das Leben in der Wohnsiedlung der Führungspersönlichkeiten berichtet. Dabei widmet er auch ein Kapitel den in der Siedlung errichteten Schutzbauwerken und entmystifizierte diese bereits 1994 in der Erstauflage des Buches. Trotz dessen kursieren nach wie vor, vor allem im Internet, zahlreiche Gerüchte und Geschichten über gigantische Bunkeranlagen und Tunnelsysteme, teilweise bis nach Berlin führend, welche in der Waldsiedlung zu finden sein sollen. Auf dieser Seite soll deshalb anhand Original Unterlagen noch einmal der Bau und Werdegang der Schutzbauwerke näher dargestellt werden.

     

    ehemaliges Wohnhaus Familie Honecker

    ehemaliges Wohnhaus des Ministers für Staatssicherheit

     

    Auf den Bau der Siedlung selbst und das Leben in dieser soll hier nicht näher eingegangen werden, Eine geschichtliche Kurzzusammenfassung sei jedoch angebracht: In einer Politbüro Sitzung im Jahr 19541 wurde beschlossen, eine Wohnsiedlung für die Mitglieder des Politbüro des Zentralkomitee der SED zu errichten, um deren Sicherheit gewährleisten zu können. Ausgewählt wurde hierzu ein Waldgebiet im Nordosten Berlins zwischen Wandlitz und Bernau. Dessen Rechtsträger war zu diesem Zeitpunkt die Stadt Bernau, welche die Trägerschaft im Jahr 1958 an den Ministerrat der DDR übergab . Für den Bau der Siedlung war der vom Architekten Heinz Gläske geleitete Sonderbaustab 102 des Ministerrates der DDR zuständig. Die Bauarbeiten begannen 1958. Im Sommer 1960 wurde die Siedlung dann bezogen. Unterteilt war diese in einen nördlichen Bereich, dem von einer Betonmauer umgebenen so genannten "Innenring", in dem die PB Mitglieder wohnten und dem "Außenring", dem südlichen Bereich, in dem sich die Wohnungen und Sozialgebäude für die Mitarbeiter der Waldsiedlung befanden.

    Für die Sicherheit und Bewachung der Bewohner waren sowohl die Hauptabteilung Personenschutz (HA PS) als auch das Wachregiment Berlin ( ab 1967 Wachregiment „Feliks Dzierzynski“) des Ministerium für Staatssicherheit zuständig. Diese beiden Diensteinheiten planten zusammen ab 19653 etwas konkreter mehrere Schutzbauwerke für die Bewohner der Waldsiedlung. Erwähnenswert ist hierzu noch, dass die HA PS und das Wachregiment zu dieser Zeit ihre Bunkeranlagen gemeinsam planten, diese Planungen umfassten also sowohl die Schutzbauwerke der HA PS in der Waldsiedlung als auch die die beiden Führungsstellen und Kleinbunker des Wachregimentes auf dem Übungsplatz Teupitz.3

     

     

    2. Die Planung der Schutzbauwerke in der Waldsiedlung

     

    Die Planungen für Schutzbauwerke in der Waldsiedlung hängen eng mit der Entwicklung des MfS Bunkertypenbau 1/15 zusammen. Erste Entwürfe dazu lassen sich in den Unterlagen der HA PS finden5. Die in der Waldsiedlung zu errichtenden Bunkeranlagen sollten möglichst schnell und ohne großes Erregen von Aufsehen gebaut werden. Infrage dazu kamen nur Projekte, die aus Betonfertigteilen errichtet werden können.

    In Ermangelung von bestehenden Wiederverwendungsprojekten eines größeren Bunkers für Luftschutz- und Führungszwecke, erarbeitete das Wachregiment zwei Projekte auf Basis von bereits projektierten Betonrahmenelementen für Postenunterstände, welche aneinandergereiht und wiederum mit einem Verbindungsbauwerk verbunden, einen Luftschutzbunker ergaben, der auch für Führungszwecke genutzt werden konnte. Die Projekte erhielten die Bezeichnung Typ 1 und Typ 2. Nach Vorlage bei der Arbeitsgruppe des Ministers für Staatssicherheit (AGM) nahm sich ein Major der AGM dieser Projekte an3 und überarbeitete den Typ 1, vor allem auf Hinblick der Statik und der technischen Ausrüstung. Das nun fertig gestellte Projekt war ausgelegt für 67 Personen als Führungsstelle beziehungsweise 200 Personen in Verwendung als Luftschutzanlage und besaß eine Lastaufnahmefähigkeit von 15 Tonnen pro Quadratmeter. Die Bezeichnung des Projektes lautete I/15 beziehungsweise später 1/15. Der Standard "Stasi-Bunker", welcher in unterschiedlichen Varianten (1/15/V und 1/15/V2) insgesamt 27 mal auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hauptsächlich als Ausweichführungsstelle für die Bezirksverwaltungen gebaut wurde, war "geboren".

     

    Dokument 1: Zunächst geplante Grundvariante I/1516

     

    Erwähnenswert ist hierzu noch, dass zwei Errichtungsvarianten des ursprünglichen Projektes existierten6:

    - Die Variante 1/15-l: leichte Ausführung, bestehend aus Rahmenelementen Typ F1, 15 t/m2 Belastbarkeit
    - Die Variante 1/15/V-s: schwere Ausführung, bestehend aus Rahmenelementen Typ 020 und/oder 020/V, 40 t/m2 Belastbarkeit.

    In einer Aktennotiz der HA PS vom 19.12.19653 findet man erste konkrete Vorstellungen der zu errichtenden Bunkeranlagen in der Waldsiedlung , diese umfassten:

    - 3 Bunker des Typs 1/15 und 1/15/V
    - 10 Bunker des Typs 3 (nicht näher spezifiziert, der Kleinbunker vom Typ FB-3 wurde jedoch anfangs vom MfS als "Typ 3" geführt3 )
    - 20 Postenhäuser
    - 80 Grabenelemente

    Auch die Ausstattungen der Bunker mit Mobiliar wurde bereits in einer Liste erfasst.
    Festgestellt werden musste allerdings auch, dass die Produktion der Betonrahmenelemente nicht vor 1967 aufgenommen werden konnte3.

     

    Dokument 2: geplante Ausstattung mit Mobiliar5

     

    Am 20.2.1967 verfasste der Leiter der HA PS ein Schreiben4 an den Minister für Staatssicherheit Erich Mielke mit dem Vorschlag, zwei Schutzbauwerke im Objekt Waldsiedlung errichten zu lassen: Ein Schutzbauwerk, um die Sicherheit der im Objekt wohnenden Persönlichkeiten und deren Familienangehörigen im "Überraschungsfalle" zu schützen. Ein weiteres zum Schutz der Mitarbeiter, welche im Außenring wohnten. Das erste Schutzbauwerk sollte im Innenring entstehen und aus schweren Betonfertigteilen mit einer Lastaufnahme von 40 t/m2 bestehen, das zweite Bauwerk, geplant im Außenring, dagegen nur aus leichten Betonfertigteilen mit einer Lastaufnahme von 15 t/m2. Eine Antwort auf dieses Schreiben ist in den Unterlagen des BStU nicht enthalten.

    In einem weiteren Schreiben4 des Leiters HA PS, datiert auf den 13.11.1967, bat dieser den Minister für Staatssicherheit auf Grundlage des Befehls 1/67 des Ministers (Inhalt und Ziel der Mobilmachungsarbeit im Ministerium für Staatssicherheit) um Zustimmung, nun 3 Schutzbauwerke, davon eines im Innenring und zwei Stück im Außenring, errichten zu dürfen. Als Bauzeitraum für die Rohbauten wurde der Sommer 1968, während der Urlaubszeit, vorgeschlagen. Plangemäß wurde dann auch mit dem Bau des ersten Bunkers, dem so genannten "Stabsbunker", in eben diesem Zeitraum begonnen. Nach dessen Fertigstellung im Jahr 1970 erfolgte der Baubeginn des zweiten Bunkers, dem "Familienbunker". Beide Bauwerke entstanden nun im Außenring. Das dritte Schutzbauwerk wurde im Zeitraum der Planung für den Familienbunker gestrichen, die Gründe dazu waren in den Unterlagen nicht zu finden, obwohl ein Standort bereits festgelegt worden war6. Auch die Entstehungszeit von zwei kleinen, monolithischen Munitionsbunkern in der Siedlung (davon je einer im Innenring und einer im Außenring) konnte dort nicht ausgemacht werden, den Munitionsbunker im Außenring findet man jedoch bereits in einem Plan der Waldsiedlung zur Standortbestimmung des Familienbunkers verzeichnet6.

     

     


    Inhaltsverzeichnis

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    Bunker

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