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5. Rekonstruktionspläne für die Objekte "OGK" und "SKP"

 

Prüflüfter Typ VRE 100 im Objekt SKP, die Filterprüfleitung (gelb) wurde erst im Zuge der Rekonstruktion installiert

Gang 1 im Objekt SKP, erst nach Rekonstruktion Standort für die NEA Steuerung und Platz des Bauwerksdispatchers

 

Die Kontrollbegehung der AGM/B am 14.12.1983 wurde bereits in den Abschnitten 3.2 und 4.2 erwähnt. Die bei diesen Begehungen festgestellten Mängel führten nun zur Planung einer Rekonstruktion beider Schutzbauwerke. 1985 wurde von der AGM/B zunächst die technische Ausstattung erfasst10. In einer Beratung der AGL der HA PS mit der AGM/B wurden dann die einzelnen Arbeitschritte geplant. Die HA PS sollte zunächst einmal einen Einrichtungsplan und einen Verwendungszweck für beide Bauwerke erarbeiten, dieser existierte für beide Anlagen bisher nicht.10 Als Zeitpunkt der Rekonstruktion wurde nun das Jahr 1986 festgelegt, sofern die HA PS die Vorraussetzung dazu geschaffen hatte. Dazu gehörte neben der Bereitstellung von Belegungs- und Ausstattungsplänen auch die Bereitstellung von Fachkräften der unterschiedlichen Gewerke. Aus Erfahrungen der AGM/B dauerte eine solche Rekonstruktion mindestens 1 Jahr. Für das Objekt "OGK" wurde von der AGM/B vorgeschlagen, ebenfalls Bedeckungsbauwerke für die Zugänge zu errichten. Auch die Ausstattung beider Bauwerke mit einer Nachrichtenzentrale wurde geplant.

 

Dokument 16: Bericht der AGM/B über den schlechten Zustand des Objektes "SKP"

 

In einem Aktenvermerk der AGL HA PS10, datiert auf den 20.12.1985, wurde vermerkt, dass die AGM/B zunächst nur eines der beiden Bauwerke rekonstruieren wolle. Die Entscheidung, welches der beiden Bauwerke zuerst erneuert wird, sollte die HA PS mit der AGM/B gemeinsam abstimmen. Die AGL HA PS gründete nun eine Arbeitsgruppe "Schutzbauwerke"10 und erarbeitete erste Vorschläge zur Rekonstruktion des Objektes "SKP", die Entscheidung zur Reko eben dieses Bauwerkes traf man aufgrund der "besseren technischen Vorrausetzungen"10. Erste Vorschläge sahen vor10:

- den Einbau von zusätzlichen gasdichten Drucktüren im Schleusenbereich, um dadurch den Schutzgrad von Raumgruppe IV nach NVA
  Definition zu erreichen.
- das Einrichten einer Waffenkammer im Gang 1
- Den Einau von je einem Netzersatzaggregat/Flügel mit jeweils 75 KVA Scheinleistung. Damit sollte eine vollständige Redundanz der
  NEA erreicht werden.
- Die Projektierung und den Bau einer Zerschellschicht (ZS)



Letztendlich wurden jedoch bestehende Rekonstruktionspläne der AGM/B verwendet.
Erste Rekonstruktionsmaßnahmen begannen schließlich 1986 mit der teilweisen Freilegung der Kies-Druckwellendämpfer des Objektes "SKP", um die Feuchtigkeitsprobleme in den Griff zu bekommen. Dazu wurden 50 m3 Erdaushub bewegt und die entsprechenden Bereiche neu abgedichtet und einbetoniert. Die eigentliche Rekonstruktion begann im Januar 1987 mit dem Entkernen des gesamten Bauwerkes. Sämtliche Einrichtungen der Wasserversorgung, der Lüftungstechnik und der elektrotechnischen Anlage wurden demontiert und komplett neu installiert. Auch ein Großteil der gasdichten Türen und gasdichten Drucktüren wurden ausgetauscht. Neuerungen durch die Rekonstruktion waren unter anderem:

- Einbau einer umfangreichen nachrichtentechnischen Anlage13 in Form von Draht- und Funkverbindungen. Fernschreibverbindungen waren
  vorgesehen, diese sollten über die Fernschreibzentrale des Objektes OGK realisiert werden. Die geplanten Fernschreib-
  Chiffrierverbindungen umfassten Verbindungen zu den Objekten 17/5001, 17/5005 und dem Objekt Hennickendorf, Zur Zentrale des MfS, zu
  allen Bezirksverwaltungen und deren Stationäre Führungsstellen (SFüSt) und Ausweichführungsstellen (AFüSt), zum Wachregiment, in das
  Sondernetz 1 und in das Telex-Netz. 2 Standverbindungen zum Objekt OGK sollten dauerhaft vorhanden sein. Weiter sollte eine
  Mikrofonleitung vom Staatlichen Rundfunkkomitee in Gang 15 (Besprechungsraum) für Rundfunkansprachen der führenden Repräsentanten
  geschaltet werden. Eine Sonderkabelverbindung zum Nachrichtendienstgebäude der Abteilung Nachrichten sollte ebenfalls geschaffen
  werden. Als Kabeleinführung wurde der Abwasserschacht vorgesehen, dieser musste dazu mittels Rahmenelemente erweitert werden. Als
  Vermittlung im Bauwerk wurde eine MSN 70 installiert. Eine Funkempfangszentrale war ebenfalls vorgesehen. Die Abgesetzte Sendestelle war
  mobil über Anschaltpunkte zu realisieren.

 

Dokument 17: Kabelplan der neuen Nachrichtenzentrale im Objekt "SKP"

 

- Einbau von 6 neuen Netzersatzaggregaten vom Typ VDEA 15-2, dadurch Erhöhung der Netzersatzleistung von 75 auf 90KVA. Außerdem Einbau einer zentralen Notlichtanlage.

- Komplette Neugestaltung der Schleusenanlage, der Treppenabsatz in den Zugängen wurde nun als erste Stufe der Entseuchung
  (Grobreinigung) vorgesehen, hierzu mussten die sanitären Vorrausetzungen geschaffen werden. Dieser komplette Umbau des
  Schleusensystems analog anderer Bunkeranlagen des Typs 1/15/V2c (Beispielsweise AFüSt der OV Wismut, AFüSt HVA) mit der Abteilung
  eines zusätzlichen Tambours von der Hauptschleuse zum Erreichen der Bestimmungen für die Raumgruppe IV (sauberer Bereich) wurde
  jedoch nicht mehr durchgeführt.

- Komplette Neugestaltung der lufttechnischen Anlagen, installiert wurden in beiden Zuluftgängen jeweils redundante Filteranlagen und Lüfter,
  außerdem wurde eine Filterprüfleitung installiert. Diese diente zur Messung des Differenzdruckes der Filtersätze und zum Überprüfen der
  Außenluft auf Verseuchung mit Kampfstoffen.

Anders als geplant, wurden die Rekonstruktionsmaßnahmen bis zur Auflösung des MfS (AfNS) nicht mehr beendet14. Der letzte geplante Fertigstellungstermin der Maßnahmen war für das erste Halbjahr 1990 vorgesehen. Die Rekonstruktion des Objektes OGK wurde nicht mehr begonnen. Planungen zu dieser sind in den Unterlagen des BStU nicht vorhanden.

 

6. Das Nachrichten Dienstgebäude der Abteilung Nachrichten (HNZ-103) und die Munitionsbunker

 

Hinweis: Dieser Abschnitt wird zu gegebener Zeit noch erweitert.

 

Zugang zum separat eingezäunten Munitionsbunker im Außenring

Vermüllter Zugangsbereich des Munitionsbunkers

 

Neben den beiden hier vorgestellten größeren Bunkeranlagen exisiterten auf dem Gelände der Waldsiedlung 2 Munitionsbunker, je einer im Innenring und einer im Außenring. Dabei handelte es sich um zwei kleine monolithische Bauwerke mit einer Zugangstreppe, einem Raum zur Aufnahme einer kleinen Lüftungsanlage und 2 Lagerräumen, zusammen etwa 40 m2. Interessant ist, dass es sich bei diesen Munitionsbunkern um ein Wiederverwendungsprojekt handelt, das beispielsweise auch als Schalthaus für die geheimen Regierungsverbindungen der MfS Abteilung Nachrichten genutzt wurde. Siehe Schalthaus der Abteilung N bei Sophienstädt.

 

Nachrichten Dienstgebäude mit Zugang

Separater Zugang zum Bunkeranbau

 

Nicht wirklich eine Bunkeranlage, sondern eher einen geschützten Keller stellt die Anlage unter dem Nachrichten Dienstgebäude dar. Dieses Objekt ist im Prinzip nicht direkt der Waldsiedlung zu zu ordnen und wurde von der Abteilung Nachrichten (Abt.N) des MfS betrieben. Das Gebäude fungierte als Hilfs-Nachrichtenzentrale (HNZ) 103 des MfS und stellte neben der Waldsiedlung auch die Nachrichtenverbindungen zu einer Reihe anderer Ausweichführungsstellen des MfS sicher, dazu gehörten die Ausweichführungsstellen der Abteilung Nachrichten, der ZKG, der Abteilung XXII und die der Abteilung N/X. Der Tarnname der Nachrichtenzentrale der HNZ lautete ""ZWEIGSTELLE" 13. Auch das Netz "geheime Regierungsverbindungen" der Abteilung Nachrichten lag hier an (Kabel FLK 2, von Berlin Buch kommend, zum Schalthaus Biesenthal gehend)17.

Errichtet wurde das Bauwerk vom MfS-eignen VEB SHB (Spezialhochbau Berlin) Anfang der Achtziger Jahre. Das Projekt unterteilte sich in 4 Teilobjekte15:

TO 1: Nachrichten Dienstgebäude
TO 2: Garagenanbau
TO 3: Stahlgittermast
TO 4: Bunkeranbau

 

Hauptgang im geschützten Keller

Zugangsbereich des Bunkeranbaus

 

Bei dem Gebäude selbst handelt es sich um ein dreigeschossiges Bauwerk in Betonplattenbauweise mit den Grundmaßen 56 x 18 m . Im Erdgeschoss befinden sich diverse Diensträume, unter anderem ein großer Funksaal. Im Obergeschoss findet man neben Bedienpulten für eine ATZ 65N auch einen großen Klimablock zur Versorgung des geschützten Kellers vor, zur Bauwerkskühlung war ein Klimaschrank Typ KGS 2 installiert.

Der Garagenanbau wurde an der Südseite des Gebäudes errichtet und sollte vermutlich neben Dienstfahrzeugen auch ein mobiles Netzersatzaggregat aufnehmen.

Der geschützte Keller ist gasdicht ausgeführt, als Türen für den Abschluss dienten gasdichte Türen Typ GT 100-180, am östlichen Ende des Kellers ist ein Montageschacht vor zu finden. In den Räumlichkeiten des Kellers findet man einen leeren Batterieraum, Kabeleinführungsräume, die NSHV, Gleichrichter- und Umformerschränke für die Sendeanlagen, die Übereste einer ATZ 65N und die Gebäudeheizung vor. Am westlichen Ende zweigt schließlich ein Tunnel in einen separierten Bunkeranbau ab. Am Ende des Tunnels findet man einen weiteren Zugang von außen, ebenfalls nur mit einer gasdichten Tür, Typ GT 80-180, gesichert. Anschließend folgt dann der eigentliche Bunkeranbau, bestehend aus mehreren kleinen Räumlichkeiten mit Rangierverteilern, einen Gleichrichterraum und einer kleinen Filterventilationsanlage inklusive Absorbtionsfilter vom Typ FP-200 für chemische und bakteriologische Kampfstoffe. Die Gesamtfläche des Anbaus beträgt etwa
150 m2. Der Schutzwert des Bunkers dürfte sehr gering veranschlagt worden sein.

 

 

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Bunker

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