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7. Heutiger Zustand der Bunkeranlagen und Schlussbetrachtung

 

Fledermausöffnung am "Familienbunker"

Zugewucherter Munitionsbunker

 

Nach dem Mauerfall 1989 und der Bildung der neuen DDR Regierung unter Hans Modrow wurde durch deren Beschluss der Auszug aller Bewohner der Waldsiedlung veranlasst. Die Bunkeranlagen wurden für das in AfNS umbenannte MfS somit nutzlos. In einem Schreiben des Leiters der HA PS vom Dezember 198914 an das AfNS, Bereich Verfassungs- und Staatsschutz, schlägt dieser vor, das Schutzbauwerk OGK an den zukünftigen Nutzer der Waldsiedlung zu übergeben. Das Objekt SKP, dass sich gegenwärtig in der Rekonstruktion befände, solle als Nachrichtenzentrale der Landesverteidigung dienen, tatsächlich wurde das Objekt SKP dann auch vom MdI übernommen und als Nachrichtenzentrale bis zum Oktober 1990 weitergenutzt18. Das Objekt OGK nutzte einige Zeit die Objektgärtnerei für eine Champignonzucht1. Das Nachrichtendienstgebäude wurde 1990 von der deutschen Bundespost übernommen und weiterbetrieben. Wann genau das Objekt vom Nachfolger der "grauen Post", der Telekom, dann schließlich aufgegeben wurde, ist uns nicht bekannt. Der Munitionsbunker im Innenring wurde im Zuge des Neubaus der Brandenburg-Klinik abgerissen.

Heute, im Jahr 2018 sind 4 der 5 ursprünglichen Anlagen noch existent, mittlerweile allerdings völlig verwahrlost und/oder ausgeschlachtet. der Bunkeranbau des Nachrichtendienstgebäudes wurde 2007 medienwirksam als Fledermausquartier hergerichtet, jedoch immer wieder aufgebrochen. Das Objekt OGK und der verbliebene Munitionsbunker rotten heute verlassen vor sich hin und verlieren mehr und mehr ihrer Einauten durch Trophäensammler und Schrottdiebe. Das Objekt SKP wurde ebenfalls Anfang der 2000er Jahre als Fledermausquartier umgebaut und dazu größtenteils entkernt.

Die Chance, einen der zwei größeren Bunkeranlagen der Waldsiedlung als Zeitzeugnis museal zu erhalten, ist trotz frühzeitiger Bemühungen1 seitens des Buchautor und Bunkerexperten Paul Bergner durch das Desinteresse der Politik vertan. Durchaus bedauernswert, zeugen diese Anlagen von den im Gegensatz zu in den Medien verbreiteten Bildern doch die überraschend einfachen, in baulicher und technischer Hinsicht fast schon primitiven Versuche des MfS (gerade in Hinsicht auf größere Schutzbauwerksprojekte wie dem Komplex 5000 oder dem Regierungsbunker der BRD im Ahrtal), für ein gewisses Maß an Sicherheit der Familienmitglieder der führenden DDR Repräsentanten im Falle eines "heißen Krieges"zu sorgen. Die Waldsiedlung wurde erst im Jahr 2017 unter Denkmalschutz gestellt19 - 27 Jahre zu spät...

 

8. Quellen, Fotogalerie, 3D Modelle der Bauwerke

 

1 "Die Waldsiedlung", Paul Bergner, Eigenverlag
2 "Waldsiedlung Wandlitz: Eine Landschaft der Macht", Jürgen Danyel und Elke Kimmel
3 BStU MfS HA PS 11590
4 BStU MfS HA PS 11591
5 BStU MfS HA PS 11592
6 BStU MfS HA PS 11593
7 Roland Wiedmann: Die Diensteinheiten des MfS 1950–1989. Eine organisatorische Übersicht (MfS-Handbuch). Hg. BStU. Berlin 2012.
8 BStU MfS HA PS 11595
9 BStU MfS AGM 117
10 BStU MfS HA PS 11596
11 Archiv untergrund-brandenburg.de
12 BStU MfS HA PS 11594
13 BStU MfS HA PS 5083
14 BStU MfS HA PS 6364
15 BStU MfS HA PS 9012
16 BStU MfS HA XXII 1401
17 www.nachrichtenbetriebsamt.de
18 Deutscher Bundestag, 12. Wahlperiode, 30. Sitzung vom 12.06.1991 (via www.sperrgebiet.eu)
19 Paul Bergner (via www.ddr-bunker.de)

 

Stand: 08/2018

 

 

Auswahl der Medien:

 

Direktlink zur Bildergalerie : Munitionsbunker der HA PS in der Waldsiedlung
Direktlink zur Bildergalerie : Nachichtendienstgebäude der Abteilung Nachrichten in der Waldsiedlung
Direktlink zur Bildergalerie : Familienbunker der HA PS in der Waldsiedlung
Direktlink zur Bildergalerie : Stabsbunker der HA PS in der Waldsiedlung Wandlitz

 

 

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